Alpinistin im Atelier

5. Juli 2022

Künstlerin, Alpinistin, Transianerin: Nici hat eine Hochtour auf das Gletschhorn für ein Kunstprojekt genutzt und erzählt uns hier, wie sie damit ihre beiden Leidenschaften vereinen kann.

Fotos: Somara Frick, Jonas Jäggy

Marketing, Office Zürich
fasziniert von der Outdoor-Kunst
Nici, wie bist du zur Kunst gekommen?
Das erste Mal richtig wahrgenommen habe ich den Beruf der bildenden Künstlerin bei einem Ausflug in der Primarschule ins Kunstmuseum. Ich war von den Formen und Farben der Werke dort vollkommen begeistert. Wir durften danach unser eigenes Fantasiebild malen, das hat mich als Kind sehr geprägt. Nach der Fach­maturität ist für mich dann klar gewesen, dass ich Kunst studieren möchte.
 
Was ist für dich das Besondere daran?
Die Kunst hat die Möglichkeit, ungewohnte Sichtweisen und Denkansätze zu thematisieren und Dinge in den Fokus zu stellen, sie kritisch zu hinterfragen oder ihrem Ausdruck Stärke zu verleihen. Zudem bietet sie mir eine Möglichkeit, meinen eigenen Blick auf die Welt zu zeigen und Erlebnisse zu verarbeiten. Mit der Kunst kann ich die Gedanken und Kreativität der Betrachtenden anregen und sie vielleicht ein Stück weit berühren.
 
Welche Art von Kunst machst du?
Das ist eine schwierige Frage. Zum einen sind es Klanginstallationen, die man zum Teil auch sehen kann. Dann auch objekthafte Kunstwerke, die an der Wand hängen, auf dem Boden oder einem Sockel platziert sind. Zudem steht meine Kunst oft mit Fotografie in Verbindung – als Ausgangslage oder dann im Endprodukt.
 
Beschreibe uns mal Nici, die Künstlerin.
Die Kunst, die ich mache, ist nicht sehr laut – ausser meine Klanginstallationen. (lacht) Ich würde sagen, als Künstlerin lege ich Wert auf feine, auch poetische Arbeiten und auf das genaue Hinsehen. Ich bin ein sehr lebhafter und positiv gestimmter Mensch. Mir wurde aber schon oft gesagt, dass in meiner Kunst noch eine andere Seite von mir hervorkommt: eine ruhigere, sanftere, auch nachdenklichere Facette.
 
Wo fängt die Entstehung eines neuen Kunstwerks bei dir an?
Sehr stark im Kopf. Ich bin niemand, der viel spontan im Atelier experimentiert. Meist habe ich schon irgendwie eine Idee. Etwas, das mich gerade interessiert. Etwas, das ich entdeckt oder gehört habe. Etwas, das in mir ein Gefühl aus­gelöst hat. Dann geht es darum, weitere Ideen zu diesem Thema zu sammeln und später natürlich auch ans Experimentieren. Der gesamte Entstehungsprozess nimmt bei meiner Kunst viel Raum ein.

Besuch im Atelier

Wo findest du die meiste Inspiration?
Zum einen in der Natur, zum anderen in meinem Alltag. Eine starke Rolle spielt aber schon die Bergwelt. Es ist dieses typische Gefühl, dass man ganz klein in einem riesigen Bergmassiv steht, das sich schon seit Jahrtausenden dort befindet. Das ist der Grund, der mich in die Berge zieht, und das, was ich aus ihnen mitnehme und in meine Kunst einfliessen lasse. Zusätzlich gibt es dort auch diese vielen kleinen wundervollen Dinge: ein Blümchen mitten auf dem Gipfel, ein Pflänzchen in einer Steinwüste, ein leises Vogelgezwitscher in einer Steilwand. Wo immer man sich die Zeit nimmt, um stehen zu bleiben, hinzusehen und zuzuhören. Natürlich findet man diese Augenblicke auch im Alltag, aber da ist einfach viel mehr Ablenkung. Es ist schwieriger, sich auf so kleine, feine Nuancen zu konzentrieren.
 
Die Berge sind also neben der Kunst deine zweite Leidenschaft?
Ich bin extrem begeisterungsfähig für die Natur im Allgemeinen. Ich liebe es, mich in ihr zu bewegen und unterwegs zu sein. Die ganz wilden Sachen müssen es nicht sein. Aber ich habe es schon gerne, wenn ich mich fokussieren muss und auf unterschiedlichen Ebenen an meine Grenzen stosse. Das reizt mich unter anderem am Bergsport und daher darf es auch mal etwas steiler und höher sein. Und auch wenn es grosse ­Unterschiede zwischen der Alpinistin und der ­Künstlerin in mir gibt, gibt es auch genau diese Verbindungen. Der Fokus im Zentrum und die grosse Freude an dem, was ich machen kann. Ich fühle mich bei beidem vollständig angekommen.
 
Du warst jetzt auch für Transa auf einer Tour. Gab es dort besondere Momente, die dich inspiriert haben?
So einen Moment gab es tatsächlich. Das Wetter war wechselhaft und immer wieder ist Nebel über den Grat gezogen. Die Stimmung war der Wahnsinn, sodass ich oft innehalten musste. Das krasse Grün der Flechten auf den Steinen im Kontrast zum Nebel, der immer wieder alles in Grau getaucht hat – ein Wechselspiel zwischen Schwarz-Weiss und purer Farbintensität.
Wo wart ihr unterwegs?
Wir sind auf das Gletschhorn in den Urner Alpen gestiegen. Eine schöne Tour über einen abwechslungsreichen Granitgrat. Während der Tour sind Fotografien entstanden, die ich dann später für meine Arbeiten genutzt habe.
 
Inwiefern?
Auf den Touren fotografiere ich die umliegenden Gipfel. Die Bilder drucke ich später im
Atelier aus und appliziere die Umrisse der Berge auf Metall. Durch weiteres Bearbeiten entsteht daraus eine Art Malerei auf Metall, auf der am Ende das alpine Profil wieder zu erkennen ist.
 
Warum hast du dich bei diesem Projekt für Metall entschieden?
Grundsätzlich mag ich Materialien wie Glas, Holz, Gestein oder eben Metall, da sie für mich so einen reinen, ursprünglichen Charakter haben. Metall, vor allem Aluminium und Stahl, braucht man im Bergsport in verschiedenen Formen und Funktionen, darum auch der Entscheid dafür. Zudem bietet das Material sehr spannende Eigen­schaften, die in der Arbeit ausgelotet werden. Bei meinem aktuellen Kunstwerk behandle ich das Metall mit Essig und löse damit eine chemische Reaktion aus. Den daraus entstehenden Rost verwende ich als Farbe. Mit diesem Werk habe ich eine weitere Möglichkeit gefunden, das Erlebnis am Berg in Kunst zu transformieren und neu darüber nachdenken zu können.
Wie weisst du, wann ein Kunstwerk tatsächlich fertig ist?
Das ist sehr unterschiedlich. Bei einer Klanginstallation höre ich, wenn etwas nicht im Rhythmus ist oder vom Schnitt oder der Komposition nicht genau stimmt. Dabei verlasse ich mich auf mein Gehör und mein Gefühl. Bei der Arbeit aus Metall, die jetzt gerade entsteht, ist das natürlich visuell. Der ästhetische Aspekt hat dabei für mich den gleichen Stellenwert wie der inhaltliche. Ich habe den Anspruch, dass mich das Kunstwerk am Ende an das Gefühl erinnert, welches ich auf der an diesem Tag gemachten Tour hatte. Und solange diese Wirkung noch nicht da ist, arbeite ich eben weiter.
 
Welches Gefühl war das beim Gletschhorn?
Ich würde sagen, es war ein glückliches, entspanntes Gefühl. Eine Zufriedenheit, im Einklang mit mir selbst und mit der Natur. Die Freude an den Personen, die dabei waren, beeindruckt zu sein von der Stimmung des Wetters.
 
Wie kam es, dass Transa Teil deines Kunstwerks wurde?
Wir haben überlegt, was für unsere Kunden spannend sein könnte – und kamen in Bezug auf meine Berufung auf die Kunst zu sprechen. Natürlich kennt man Künstler, Kunstwerke und Museen. Wir aber wollten eine Geschichte erzählen, die diese abstrakten Begriffe und die gemeinsame Leidenschaft verschiedener Menschen zusammenbringt. Für mich war dieses Projekt zudem eine Möglichkeit, der Kundschaft einen anderen Blick auf die Berge und Natur zu zeigen.

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