Namibia: Besuch bei Steps for Children

3. Juni 2019

Im Rahmen der Erlebnisproduktion in Namibia engagierte sich Transa rund zwei Jahre lang für die Stiftung "steps for children". Der Fokus der Stiftung liegt auf der schulischen Bildung von Kindern. Das Zusammentreffen mit den Verantwortlichen der Stiftung und insbesondere mit den Kindern selbst war sehr emotional und herzerwärmend!

Fotos: Ruedi Thomi

Marketing, Office Zürich
Bike-Freak und Frohnatur

Hands-on Hilfsprojekt

Der Besuch bei steps for children ist eines meiner Highlights in Namibia und berührt mich sehr. Seit zwei Jahren engagiere ich mich für das Hilfsprojekt. Umso mehr freut es mich, es endlich mal live zu sehen zu können. Der Besuch bestärkt mich in meinem Engagement und gibt mir das Gefühl, am richtigen Ort zu helfen.

Bei steps for children wird tatsächlich geholfen, und zwar ehrlich, direkt und pragmatisch. Kein Schönreden, kein Augenverschliessen vor Dingen, die noch nicht perfekt funktionieren. Das hat mich sehr beeindruckt. Mit grosser Überzeugung kann ich sagen: steps for children ist eine Vorzeige-Stiftung mit sehr viel positivem Einfluss. Hier kommt mein Engagement an.

Sonja Schneider-Waterberg ist die Tätschmeisterin der Schule. Die gebürtige Deutsche kam vor zehn Jahren als Volontärin nach Namibia - und ist geblieben. Laut ihren eigenen Angaben ist sie Mädchen für alles. Sie organisiert, strukturiert, schaut dass ihre Kolleginnen alles haben was sie zum Arbeiten brauchen, bestellt Material, macht das Budget - kurz: sie schaut, dass steps for children funktioniert.

Als erstes führt uns Sonja durch das Herzstück von steps: durch die Schule. Die Mehrzweckhalle wird ihrem Namen treu: Hier wird unterrichtet, Fussball gespielt, Elternabende gehalten, Theaterstücke einstudiert und vieles mehr.

Vom Hilfswerk zum Ausbildungszetrum

Die Idee von steps for children war ursprünglich, via Mittagstisch einen Anreiz zu schaffen, damit Kinder, Waisen und Sozialwaisen die Schule besuchen und so "nebenbei" eine Ausbildung bekommen. Mittlerweile hat die Schule einen so guten Ruf, dass auch Kinder aus stabilen Familienverhältnissen sie besuchen. Dies ergibt eine schöne Durchmischung von Kindern aus verschiedenen sozialen Schichten.

Fünfzehn Lehrerinnen unterrichten unterschiedliche Fächer wie Mathe, Englisch, Kunst und Sport. Um die 120 Kinder besuchen die Schule am Vormittag, circa 50 Kinder kommen am Nachmittag. Seit Beginn des Projektes vor zehn Jahren gab es bei den Lehrerinnen keine Fluktuation. Sie sind glücklich mit dem Job und können ihr Wissen weitergeben.

Warum soll man ausgerechnet steps for children unterstützen, frage ich Sonja. Ihr pragmatische Antwort: "Namibia ist sehr dünn besiedelt und politisch verhältnismässig stabil, daher können wir hier besonders viel bewirken. Ausserdem setzen wir auf persönlichen Kontakt und eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe, anstatt eine Gönnerhaltung einzunehmen. Langfristig ist unser Ziel die finanzielle Unabhängigkeit des Projektes."

Bewegender Besuch

Nach der Führung durch das Schulareal besuchen wir zwei Familien aus dem Dorf. Diese Begegnungen gehen mir sehr nahe. Die eine Familie - eine Mutter mit drei Kindern - wohnt in einer geschätzt 10 Quadratmeter kleinen, unisolierten Blechbaracke. Im Sommer mag das gehen. Im Winter können die Temperaturen den Gefrierpunkt erreichen.

"Beschäftigen dich solche Szenen nicht?", frage ich Sonja. "Die emotionale Betroffenheit sollte einen ja nicht vom Tun abhalten. Meine Argumentation darf nicht sein, wenn ich nicht allen helfen kann, helfe ich lieber gar niemandem. Man kann nur für sich entscheiden, ob man ganz viele erreichen und die Butter ganz dünn streichen will oder ob auf dem Brot auch reichlich Butter drauf sein soll."

Ein Gemeinschaftsgarten

Am Nachmittag besuchen wir die nahe gelegene, mehrere Hektar grosse Gartenanlage, wo Gemüse und Früchte angebaut werden. Als dort vor einiger Zeit ein grosses Schattennetz benötigt wurde, finanzierte Transa dieses.

Das Land hier ist Kommunalland, das steps zum Wohle der Gesellschaft nutzen darf. Die Ernte kommt dem Mittagstisch von der Schule zugute. Zusätzlich wird sie beim Strassenverkauf vertrieben. Momentan besteht das Problem, dass keine regelmässige Ernte zugesichert werden kann. Verschiedene Umwelteinflüsse - Sonne, Hitze, Wasserverdunstung und Ungezieferplage - erschweren die Bepflanzung. Das Schattennetz soll hier jedoch Abhilfe schaffen.

Und dann stelle ich noch ein paar kritische Fragen an Sonja:

Würden es die Leute hier denn nicht schaffen, sowas alleine aufzubauen?
Seit Jahren sind Personen nach Okakarara gekommen und haben versucht zu helfen. Sobald die Personen weg waren, fiel das Projekt in sich zusammen. Um ein solches Projekt in Gang zu halten, hilft es schon, eine Schule besucht zu haben, zu wissen, wie man rechnet, wie man budgetiert und wie man plant. Bei der Entwicklungszusammenarbeit treffen zwei Mentalitäten aufeinander. Diese gilt es zusammenzubringen. Das braucht viel Geduld und einen intensiven, persönlichen Kontakt. Daher ist es schwierig, wenn Projektunterstützung zeitlich begrenzt ist."

Ist Entwicklungshilfe nicht ein Aufdrücken von einem westlichen System?
Das sehe ich nicht so, und zwar aus dem Grund, weil wir mit Kindern arbeiten. Jedes Kind sollte so viele Möglichkeiten haben, wie es nur geht. Was es dann draus macht, ist eine andere Sache. Steps bietet ein Angebot an. Jene Menschen, die die Offenheit haben, dieses Angebot anzunehmen, können dies tun. Oder sie können einfach jene Teile des Angebots übernehmen, die zu ihrem Leben passen. Die Organisation der Schule ist das Gerüst, die Inhalte gestalten sich nach den Anforderungen und Bedürfnissen der Menschen hier vor Ort."

Und was würde passieren, wenn du weggehst?
Ich bin überzeugt, dass die Schule weiterlaufen würde. Bei der Nähstube und dem Gästehaus kann ich keine Prognose machen. Wahrscheinlich müsste wieder jemand kommen, der das Ganze zusammenhält. Die Menschen hier haben eine mangelnde bis gar keine Schulbildung. Viele haben nicht sicher rechnen gelernt. Deshalb fällt es ihnen schwer, mit Geld umzugehen, geschweige denn mit Spendengeldern, Wechselkursen und Budgets. Das liegt auch nicht an der Hautfarbe, sondern einfach daran, dass sie zu wenig gebildet sind. Und sie zögern, wenn es darum geht, Verantwortung zu übernehmen. Aber da kann man ja reinwachsen. Ich bin sehr zuversichtlich und arbeite daran, Kolleginnen aufzubauen, die mehr Aspekte des Managements übernehmen können."

Und was bleibt von unserem Besuch? Vor allem diese Erkenntnis: Uns geht es in der Schweiz extrem gut und wir haben die Energie und die Möglichkeiten, zu helfen. Ein paar wenigen zwar nur, aber denen bedeutet unsere Hilfe die Welt.

Weitere Informationen:

Footnotes: Herzlichen Dank an Yvonne, Moïra und Florian (Protagonisten) und an Jürg und Rodrigo (Guides).

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