FAQ Biwakieren

20. Mai 2019

Wir haben euch über Facebook und Instagram um eure Fragen rund ums Biwakieren und Zelten in der freien Natur gebeten und ihr habt geantwortet. Nachfolgend findet ihr Tipps zu Biwakplatz, Ausrüstung und Kochideen.

Fotos: Ruedi Thomi

Verkaufsberater Transa Basel
Kombiniert gerne Biken und Biwakieren.

Wo und unter welchen Umständen ist es erlaubt zu biwakieren?

Die rechtliche Lage ist in der Schweiz nicht einheitlich geregelt. Grundsätzlich ist Weide und Wiese für jedermann zugänglich. Je nach Kanton und Gemeinde können aber Einschränkungen bestehen. Grundsätzlich verboten ist das Biwakieren im Schweizerischen Nationalpark, in Wild- und Naturschutzgebieten sowie in Wildruhezonen während der Schutzzeit. Eine Übernachtung einer kleinen Gruppe von Personen im Gebirge oberhalb der Waldgrenze ist unter entsprechender Rücksichtnahme aber in der Regel unproblematisch. Weitere Informationen liefert die Broschüre des SAC.

Wie finde ich den richtigen Biwakplatz?

Der optimale Biwakplatz ist windgeschützt, nicht in einer Mulde wo sich bei Regen Wasser sammeln könnte und am besten in der Nähe einer Wasserquelle. Im Wald kann auch gut in einer Hängematte mit Isomatte und einem Tarp als Dach übernachtet werden. Damit der Biwakplatz schön bleibt: Hinterlasse keine Spuren. Das heisst, verbrenne zum Beispiel auch dein gebrauchtes Toilettenpapier.

Wie stelle ich sicher, dass ich genug warm habe?

Wichtig ist, genügend und nach Möglichkeit warm und fetthaltig zu essen. Ausserdem solltest du nie frierend in den Schlafsack. Mache also vor dem zu Bett gehen noch kurz einige Bewegungsübungen. So wärmt der Körper in den ersten Minuten den Schlafsack wohlig warm auf. Als Bettflasche kann auch eine wasserdichte Trinkflasche mit Drehverschluss (zum Beispiel von Nalgene) mit heissem Wasser gefüllt und mit in den Schlafsack genommen werden. Was zudem viele nicht wissen: Salzrückstände auf der Haut führen dazu, dass die Umgebungsfeuchtigkeit angezogen wird und sorgen für ein leichtes Frösteln. Ein Sprung in den kühlen See oder im Minimum eine Katzenwäsche schaffen hier Abhilfe.

Welche Ausrüstung gehört mit in ein Biwak?

Die wichtigsten Gegenstände sind auf jeden Fall eine Schlafmatte mit einem R-Wert von 3 oder mehr, ein atmungsaktiver Biwaksack gegen den Morgentau und der Schlafsack. Dieser sollte einen Komfortwert um den Gefrierpunkt, im Optimalfall so um die -5° C aufweisen. Denn auch in den Sommermonaten kann es in der Nacht im Gebirge empfindlich kalt werden. Dann gehören natürlich Gaskocher, Stirnlampen und ein wasserdichter Packsack (zum Schutz der Schuhe und Bekleidung in der Nacht) ebenfalls dazu.

Wie kann ich am besten Gewicht sparen?

Gewicht spart man am einfachsten in dem man sich auf das Nötigste beschränkt. Also beispielsweise aus dem Topf essen und auf Geschirr und Besteck verzichten. Weiter gibt es die meisten Ausrüstungsgegenstände auch in einer Leichtgewichtsklasse. Wer an vielen Orten ein paar Gramm spart, trägt in der Summe deutlich weniger.

Falls ich ein Dach über dem Kopf möchte: Tarp oder kleines Zelt?

Falls der Wetterbericht keinen Niederschlag voraussagt, reicht ein Tarp vollkommen. Für längere Touren empfiehlt sich durchaus ein kleineres Zelt. Gerade bei Niederschlag mit viel Wind kann es unter einem Tarp schnell ungemütlich werden. Ausserdem wird es über der Baumgrenze mangels Bäume schwierig, das Tarp abzuspannen. Trekkingstöcke sind hier gern gesehene Helfer.

Wie vermeidet man Kondenswasser im Zelt?

Wenn du in einem Zelt übernachtest, sind Kochen und Atmen die beiden grössten Feuchtigkeitslieferanten. Eine gute Ventilation ist also das A und O. Diese erreichst du über geöffnete Lüftungen, im Optimalfall weht immer ein laues Lüftchen durch das Zelt. Zudem schafft Platz Komfort. Wer zu zweit in einem 3 Personen Zelt übernachtet, stösst mit dem Schlafsack und während dem Umziehen der Kleider weniger an die Aussenwand.

Welches ist das beste Zelt zum Übernachten für 1 bis 2 Personen?

Ein hervorragendes Gewichts-/Leistungsverhältnis bietet das Hubba Hubba NX von MSR oder das Anjan von Hilleberg. Das Hubba Hubba ist selbststehend, bei schönem und trockenem Wetter kann auch einmal das Aussenzelt weggelassen werden und es ist mit 1.7 kg ziemlich leicht. Das Anjan ist ein klassiches Tunnezelt, dadurch sehr stabil im Wind und wiegt ebenfalls nur 1.8 kg. 

Was kocht man am besten auf Biwaktouren?

Am besten geeignet sind Lebensmittel und Menus, die wenig Wasser enthalten. So sind sie für den Transport am leichtesten. Klassiker sind Risotto, Couscous und Polenta. Voraussetzung dafür ist aber eine Wasserquelle vor Ort beispielsweise ein Bach oder Bergsee. Um Krankheitserreger zu eliminieren, kannst du das Wasser zudem vor Gebrauch filtern, zum Beispiel mit dem Befree von Katadyn. Ebenfalls gewichtssparend ist gefriergetrocknete Trekkingnahrung. Die Sahnenudeln mit Geflügel sind ziemlich lecker. 

Was muss ich für ein Biwak im Hochgebirge speziell beachten?

Im Hochgebirge ist die Absturzgefahr ein Faktor, welcher immer beachtet werden muss. Während die Orientierung am Tag leicht fällt, kann sich der nächtliche Toilettengang schnell als Tappen im Dunkeln entpuppen. Eine Stirnlampe ist also Pflicht. Ausserdem kann sich im Hochgebirge über Nacht auch dünnes Eis auf Felsen bilden, da die Temperaturen pro 1000 hm in der Regel ca. 8° C tiefer liegen. Ebenfalls solltest du die Gefahr von Steinschlag beachten. Optimalerweise befindet sich in der Nähe eine Biwakschachtel oder eine Schutzhütte, die als Plan B dient, falls das Wetter umschlägt. 

Woran sollte ich denken, wenn ich auch öfters mal alleine auf eine Biwaktour gehe?

Informiere unbedingt jemanden zu Hause über deine Tourenpläne und vereinbare Zeitpunkte, an welchen du dich meldest. Für längere und abgelegenere Touren könnte auch ein Spot-Messenger Sinn machen. Dieser funktioniert unabhängig vom Mobilfunknetz und kommuniziert über das GPS-Singal. Wichtig: Im Gebirge fehlt oft der Handyempfang und es ist im Vorfeld immer schwierig abzuschätzen, wo auf der Tour sich die Funklöcher befinden. 

Weitere Inspiration?

Besuche unseren Season-Guide zum Thema Biwakieren.