Hoch unter den Wolken

15. Oktober 2019

Strand und Dschungel werden wohl schneller mit Kolumbien in Verbindung gebracht als Hochland und Schneefall. Aber auch das gibt es in diesem enorm diversen Land! Wir waren für euch in den Anden, genauer im Nationalpark "El Cocuy" unterwegs. Es war überwältigend.

Fotos: Ruedi Thomi

Stv. Filialleiterin, Filiale Zürich Europaallee
Powerfrau und Koordinationstalent
Der Eintritt in die Bergwelt ist El Cocuy – ein kleines, schönes Bergdorf mit türkisen Häusern. Mit einem sogenannten Lechero - einem Milchtransporter - wollen wir am Morgen früh in Richtung Hochland fahren. Nach einem kurzen Tinto – einem schwarzer Kaffee – auf dem Dorfplatz geht’s los. Der Lechero fährt hoch in die Berge. Immer wieder stoppt er und Leute laden Güter auf und ab. Der Lechero dient nicht nur als Transport für die Milch, sondern auch für alle anderen Lebensmittel.

Unser Ziel ist eine befreundete Bauernfamilie von Camila, unserem Guide. Camila hat einst einen Monat lang hier oben gewohnt und sich mit dem einfachen, aber erfüllten Leben der Bauern vertraut gemacht. Wir werden einen kleinen, aber sehr schönen Einblick in dieses Leben erhalten.
Der Empfang bei der Bauernfamilie fällt unglaublich herzlich aus. Nachdem wir unser gesamtes Gepäck – es handelt sich dabei um sehr viel – bei der Bauernfamilie abgeladen haben, bekommen wir erst mal einen Tee und selbstgemachte Kekse, die uns alle total begeistern. Dann zeigt uns Don José, das Familienoberhaupt, stolz sein Grundstück inklusive einem wilden Wasserfall. Er hat heute sogar den Sonntags-Hut angezogen, obwohl Mittwoch ist.

Wir schauen uns nach einem geeigneten Zeltplatz um. Denn in der kleinen Hütte haben wir nicht auch noch Platz. Dann gibts Mittagessen. Die Familie bekocht uns mit Kartoffeln, Lamm und Gemüse. Beim Abwasch helfen wir mit. Das Wasser kommt direkt vom Hausdach über einen vermoosten «Wasserfilter» rein und ist eiskalt. Doch schliesslich wollen wir wissen, wie es sich hier oben lebt und drum helfen wir fleissig mit.
Am Nachmittag unternehmen wir eine kurze Wanderung durch die sanfte Landschaft. Wir merken die Höhe und schnaufen vor uns hin. Die beiden Töchter der Familie inkl. wiederum deren Töchter Valentina und Manuela begleiten uns. Wir kommen sogar schon an riesigen Frailejones vorbei. Mannshohe Pflanzen mit schönen gelben Blüten die bezeichnend für die Landschaft auf dieser Höhe sind.
Am Abend stellen wir das Zelt am ausgewählten Platz auf und richten uns ein. Wieder werden wir von der Familie bekocht, es gibt Forelle. Und schon bald verziehen wir uns in die Nachtlager, lauschen dem Plätschern vom nahe gelegenen Bach und fallen schon bald in einen tiefen Schlaf.

Um 5 Uhr ist Tagwach und Zeltabbau. Und dann folgt ein ziemlich emotionaler Abschied von der Familie. Obwohl wir alle uns nur kurz kennen gelernt haben, und uns kaum verständigen konnten, waren wir uns irgendwie symphytisch.

Nach einer einstündigen Fahrt kommen wir beim Parkeingang des Nationalpark El Cocuy an. Lunchbag fassen und los geht’s. Marta, eine fröhliche und herzliche Frau und zugleich unser Guide, führt uns. Zuerst laufen wir sechs Kilometer durch die sogenannte Parámo-Landschaft mit unzähligen Frailejones. Dann geht’s hoch. Wir schnaufen, die Luft ist dünn. Eigentlich wollten wir zum Pulpito de Diabolo, aber die Zeit reicht nicht. Wir entscheiden uns um und peilen die schönen Lagunen oben im Tal an.

Dort angekommen sind wir überwältigt: Die Lagune mit ihren grünen Büschen und dem weissen, feinen Sand erinnert uns an einen schönen Karibik-Strand. Doch wir sind hier auf 4200 Meter Höhe in der Nähe der Schneegrenze und es ist frostig kalt.

Wir geniessen den feinen Lunch und steigen dann schon bald denselben Weg wieder ab. Der Rückweg zieht sich, Nebel kommt auf. Wir sind müde und kaputt. Immerhin haben wir heute 900 Höhenmeter gemacht und das auf diese Ausgangshöhe. Wir können schon ein wenig stolz sein.

Ab selben Abend übernachten wir in der Cabana las Esperanza. In der Schweiz wäre das wohl eine SAC Hütte. Wir essen kurz etwas und verziehen uns anschliessend in unsere Schlafsäcke. Es ist zu frisch um gemütlich sitzen zu bleiben. Die Hütten haben keine Heizungen und eine heisse Dusche zum Aufwärmen gibt es auch nicht. Es gibt zwar einen Durchlauferhitzer, wir sind aber unfähig, den zu betätigen. Aber alles halb so schlimm. Wir wollten es ja so und genau so gefällt es uns auch am besten.

Am nächsten Tag brechen wir wieder um 5 Uhr auf, denn heute steht die Königsetappe bevor. Wie sich später herausstellt, ist der heutige Tag für viele das Highlight der Reise. Wir wandern durch schöne Felder, durch einen dichten Wald, der einem Urwald gleicht – nicht vergessen, wir sind zwischen 3500 und 4000 Meter. Irgendwann lichtet sich der Wald und wir erreichen ein wunderschönes Hochplateau, voll mit Frailejones. Der Weg schlängelt sich durch für diese Gegend bezeichnende Pflanzenart. Schon bald sehen wir das ursprüngliche Ziel von gestern: den Pulpito de Diabolo. Hoch oben thront der viereckige Klotz, stolz und unnahbar. Das Wetter ist klar, der Himmel blau mit ein paar ungefährlichen weissen Wölkchen. Wir ziehen weiter, Schritt für Schritt, die Luft wird langsam dünn.

Dann erreichen wir die Baumgrenze, der Weg geht über in Geröll, überall sind kleine Seen zu finden. Überbleibsel vom Gletscher, der vor vielen Jahren bis hier runter reichte.

Unser heutiges Ziel ist die Laguna Grande de la Sierra auf 4600 m.ü.m. Weiter als da darf man nicht. Für die U’was ist die Region heilig, 2016 wurde der Park sogar komplett für Touristen geschlossen. Seit April 2017 ist er auf beschränkten Routen wieder offen. Es ist wichtig, dass wir als Touristen diese Regeln beachten. Wenn Touristen die Regeln brechen, wird der Park unverzüglich wieder geschlossen und die wunderschöne Landschaft darf nicht mehr besucht werden, was ein Verlust für jeden Hochland-Fan wäre.

Die Wanderung bietet alles, was das Hochland-Herz begehrt: Verschiedene Vegetationszonen, Abgeschiedenheit und Idylle – wir sind auf der gesamten Wanderung 2 Personen begegnet, einem Franzosen und seinem Guide – Anstrengung, viel Schweiss aber dafür auch unglaublich viel Freude, Stolz und Dankbarkeit. Oben bei den Lagunen angekommen sind wir tatsächlich mächtig stolz auf unsere Leistung. Die Luft ist dünn, die Umarmung fällt umso dicker aus. Wir kochen Agua Panela, was inzwischen unser Lieblingsgetränk geworden ist.

Plötzlich bilden die kleinen, unschuldigen weissen Wolken eine grosse graue Masse. Es beginnt zu schneien und zu hageln. Unsere gemütliche Agua Panela-Runde löst sich schnell auf, wir ziehen unsere Regenklamotten an und machen uns bereit für den Abstieg.

Innert kürzester Zeit verwandelt sich die grüne, farbige Paramo Landschaft in eine weisse, mystische Region. Der aufkommende Nebel zwingt uns zum vorwärts gehen. Ein Gewitter zeiht auf, immer wieder zuckt ein Blitz durch die graue Suppe und der anschliessende Donner scheint nicht allzu weit entfernt. Wir können uns keine Pausen mehr leisten. «Runter» ist die Devise.

Unten in der Hochebene angekommen löst sich der Nebel etwas, die Sicht wird besser. Wir essen kurz etwas, denn die Wanderung ist noch nicht vorbei. Der Urwald folgt, wir sind alle triefend nass aber gut gelaunt. Um 16.30 Uhr kommen wir in der Capana an, alle ziemlich erschöpft aber glücklich. Was für ein Tag!

Kolumbien ist im Sommer 2018 bei Transa überall präsent. Diese Reise entstand dank freundlicher Unterstützung von folgenden Partnern.

Footnotes: Herzlichen Dank an Myriam, Tom und Andy (Protagonisten) und an Marta und Camila (Guides).

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