Spatz: Ein Bund fürs Leben

6. April 2022

Alle kennen sie, alle lieben sie: Ein Baumwollzelt von Spatz ist ein lebenslanger Begleiter. Die Basis für diesen Bund legt das Traditionsunternehmen in seiner Werkstatt in Oberuzwil – per Hand, mit Nadel und Faden.

Fotos: Moritz Schäfer, Jonas Näf, Archiv Spatz

Gastautorin, 4-Seasons
mag ein Dach aus Stoff über dem Kopf
Eine grosse Fensterfront gibt den Blick frei auf die Werkstatt, direkt an einer Strasse der 6000-Einwohner-Gemeinde Oberuzwil im Kanton St. Gallen. Auf einer Seite des grossen Raums stehen Rollwagen mit verschnürten Stoffpaketen, mittendrin zwei grosse Tische aus Holz. Es riecht nach Wäsche und doch irgendwie erdig. Nach Natur. Leise rattert eine Nähmaschine – willkommen in der Reparatur-Werkstatt des Zeltbauers Spatz!

An einer der Nähmaschinen sitzt Ludmila Knis. Sie näht einen Reissverschluss an einem beigen Stück Stoff fest, das später die Eingangstür eines grossen Gruppenzeltes werden soll. «Vergangenes Jahr war es so stürmisch, da hat es viele Eingänge zerrissen. Oft macht es da mehr Sinn, die Tür komplett zu ersetzen», erklärt die gelernte Näherin, die in Moskau und Würzburg Textilingenieurswesen studiert hat und seit fünf Jahren bei Spatz arbeitet. Wenn die Hauptsaison startet, wollen Ludmila und ihr Kollege Toufik Idri, der bereits seit zehn Jahren bei Spatz arbeitet, vorbereitet sein. Daher nähen sie schon mal ein paar Eingänge auf Vorrat. Sie kennen eben die Bedürfnisse der Spatz-Kunden.

Erste Anlaufstelle für Jugendgruppen

Pfadis, Cevis und andere Jugendgruppen bringen regelmässig ihre Spatz-Zelte in Oberuzwil vorbei und lassen sie waschen, reparieren und neu imprägnieren. Das sind dann 15 bis 25 Zelte auf einmal, die auf den Rollwagen in der Werkstatt darauf warten, wieder in Schuss gebracht zu werden. «Die Jugendgruppen sind unser Tagesgeschäft, aber auch Privatkunden bringen ihre zum Teil 30 Jahre alten Zelte vorbei. Wir reparieren Gruppenzelte aller Marken und Arten. Auch Baumwollzelte und Zelte aus Mischgeweben wie auch Wohnwagenvorzelte, Dachaufbauten oder Sonnendächer», erzählt Tobias Stump, der sich in der Werkstatt seit rund eineinhalb Jahren vor allem um die Kundenkommunikation und Organisation kümmert. Wenn aber Not an der Nähmaschine ist, packt der gelernte Damenschneider und studierte Industriedesigner auch bei Nadel und Faden mit an.

Die Tradition der Spatz-Zelte reicht mehr als 90 Jahre zurück. Bereits 1931 nähte Gründer Hans Behrmann sein erstes Zelt und liess sich vier Jahre später das Design von Innen- und Aussenzelt patentieren. In den folgenden Jahrzehnten optimierte Spatz die Baumwollstoffe, die extra für die Firma in der Schweiz produziert werden. Sie sind atmungsaktiv, gleichen Temperaturen aus, sind wasserdicht und langlebig. «Ob Risse, Löcher oder kaputte Spannlaschen – wir können beinahe alles reparieren. Erst wenn bei wirklich alten Zelten die Baumwolle schon ganz dünn ist, ist das für ein Spatz-Zelt das Todesurteil», begründet Tobias Stump die lange Lebensdauer der Zelte.

Rund 700 Zelte pro Jahr

Als Teil von Transa näht Spatz noch immer die Vintage-Zelte in der Schweiz. In Oberuzwil, in der Werkstatt mit der grossen Fensterfront, an der immer wieder Spaziergänger stehen bleiben und die Handwerkskunst bewundern. Den Winter nutzen Tobias, Toufik, Sina und Ludmila, um das kleine Lager im Keller aufzustocken, sodass von jedem Zelt ein paar Varianten vorrätig sind. Wenn Anfang März die Saison losgeht, bleibt neben all den Reparaturen und Services für die Produktion kaum noch Zeit. Rund 100 bis 150 mehr und weniger kaputte Zelte treffen in der Hauptsaison pro Monat in der Werkstatt ein. Nicht nur dort: Auch in der gut 60 Kilometer entfernten Transa Filiale in Zürich können Kunden ihre Spatz-Zelte zur Reparatur sowie zum Waschen abgeben

Tobias war als Zwöfjähriger selbst in einer der Hunderten Jugendgruppen in der Schweiz. In einem Spatz-Zelt durfte er da aber nicht schlafen, dieses Privileg war den Älteren vorbehalten. Dafür war er mit der Familie viel in einem Spatz-Zelt unterwegs und kennt die Vorzüge aus eigener Erfahrung: «Bei Nässe quillt die Baumwolle auf und macht den Stoff auf natürliche Weise wasserdicht. Wenn’s nicht mehr regnet, trocknen die Wände sofort wieder.» Durch die Atmungsaktivität der Baumwolle ist das Raumklima im Zelt zudem angenehm und die Temperatur immer ausgeglichen.

Emotionale Verbindungen

Das schätzen auch die Kunden, die häufig viele Emotionen mit ihrem Spatz verbinden. Manchmal treffen Zelte in der Werkstatt ein, die schon 50 Jahre alt sind und nun an die Enkel vererbt werden sollen. «Wir sind sehr nah an unseren Kunden. Sie erzählen uns viel von ihren Erlebnissen und schicken oft auch Fotos», sagt Tobias. An einer Wand in der Werkstatt, neben der Kaffeemaschine, die Ludmila bei Kundenbesuch immer sofort in Betrieb setzt, hängt eine Pinnwand. Unter einem Foto mit einem Zelt, aufgenommen in den USA, steht da: «Nach ein paar Jahren Pause wieder in Betrieb, tut mein einstiges Maturageschenk weiterhin tadellos seinen Dienst, inzwischen für unsere Kinder. Promise kept, Spatz, congrats.»

Das Versprechen, das das Unternehmen gibt: Ein Spatz-Zelt begleitet dich ein Leben lang. Um dem gerecht zu werden, gibt es auf die Zelte zehn Jahre Garantie und einen Reparatur-Service mit Leidenschaft. Während Tobias am Telefon mit einem Kunden die notwendigen Reparaturen an dessen Zelt bespricht, breitet Toufik auf einem der Tische ein Aussenzelt aus. Fast schon liebevoll streicht er den Stoff glatt, prüft akribisch die Nähte und nimmt eine Öse genauer unter die Lupe. Ihm entgeht nicht das kleinste Loch. Mit seiner jahrelangen Erfahrung kennt er alle Möglichkeiten und Tricks, die Baumwollzelte zu reparieren und ihr Leben zu verlängern. Damit sie noch vielen weiteren Erlebnissen und Emotionen eine Heimat bieten können.

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