Trekking auf Korsika

11. Juni 2019

Der mystische Wanderweg "Grande Randonnée 20" - kurz GR 20 - ist eines der Aushängeschilder Korsikas. Der alpine Weg verläuft quer durch die raue Berglandschaft und verbindet den Norden und Süder der Insel. Um ihn zu meistern, erfordert es eine gute Kondition und Trittsicherheit.

Fotos: Jonas Jäggi

Omnichannel Office Zürich
Biotext

ETAPPE: SON SAURA/CALA EN TURQUETA – CAP D’ARTRUX

Klar, hauptsächlich wird der Camí de Cavalls von Wandervögeln begangen. Vier davon kennen wir ja – zwei grosse und zwei kleine. Wir hören aber auch, dass das Biken überall erlaubt ist. Wir haben uns nichts Extremes vorgenommen, aber ab und an «stauben» soll es schon. Ich bin eine bekennende Liebhaberin der flowigen Trails, Dennis ist mehr der Mann fürs Wilde.

Sylvia kennt alle Etappen des Camí wie ihre Westentasche, ist eine passionierte Bikerin und stammt ursprünglich aus der Schweiz. Sie hat uns eingeladen mit ihr zwei Routen zu testen und kündet eine Überraschung an. Die Chemie stimmt umgehend. Treffpunkt: Son Saura – 7 Uhr.

Wege mit wenig Steinen wechseln sich zu Beginn ab mit schmalen, sandigen Passagen. Eine Topografie für ein Fully. Wir lernen die Bikes kennen, wir werden sicherer und das Tempo steigt. Aber Sylvia kann es kaum erwarten uns an die Küste zu bringen: «Da hätts wunderbari Bäum und gsehsch ufs Meer use». Die Begeisterung hat Vorrang, die Richtung wird rasch zweitrangig. Hauptsache auf den Bikes, Hauptsache gute Trails und bildschöne Szenerie. 

An der Cala des Talaier angekommen, sind wir dermassen überwältigt, dass wir am liebsten den ganzen Tag hier verbringen würden. Kurzerhand suchen wir uns eine steile Wegpassage aus, mit einer typischen Trockenmauer zur Rechten. Diese fahren wir mehrfach hinunter. Technisch. «Es muen biz stüübe», finde ich. Dennis: «Im Ärnscht?». Nach einigen euphorischen Runden und dem Geniessen der felsigen Küste machen wir uns auf den Weg zurück nach Son Saura.

Nun geht es wieder in eine neue Richtung. Inland? Inland. Auch auf der Fahrt weg von der Küste begegnen wir keinen Autos, die Landstrassen lassen sich angenehm fahren. Nach rund 20 Minuten stehen wir vor einem traditionellen Holz-Tor. Dahinter steht der Bauernhof von Nina und ihrer Familie.

Wir dürfen zuschauen, wie der Queso de Mahón hergestellt wird. Gebannt schauen wir ihr und ihrem Sohn über die Schulter. Wie ist wohl das Endprodukt? Draussen an der Sonne dürfen wir kosten – kurzerhand entschliessen wir uns, den anderen ein grosses Stück mitzunehmen. Bevor wir weiterradeln, begleiten wir die Bäuerin noch aufs Feld. Sie ernten gerade Erdnüsse, oder nennt man die nicht «spanische Nüssli»? Auf dem Hof werden sie seit über 70 Jahren angepflanzt.

Nach einem Zwischenstopp in Ciutadella schliessen wir den Tag in der Region Punta Nati ab. Rund um die Bunker aus der Zeit des Bürgerkrieges lassen wir den Abend ausklingen. Zu schön um wahr zu sein? Tatsächlich fängt sich Dennis auf dem Weg zurück einen Platten ein. Gemeinsam wird im Licht der Stirnlampen geflickt.

Zu schön um wahr zu sein? Tatsächlich fängt sich Dennis auf dem Weg zurück einen Platten ein. Gemeinsam wird im Licht der Stirnlampen geflickt.

Etappe: Cap de Favaritx - Arenal d'en Castell

Da dachten wir wohl, dass es nicht mehr schöner werden könnte – oh doch!

Stell dir vor: 6:30 Uhr in der Früh, du montierst deinen Helm, die Stirnlampe, die Protektoren und die Handschuhe, du steigst auf dein Bike und fährst los. Zugegeben, das hört sich noch unspektakulär an. Nun stellst du dir vor, dass du alleine mit deinem Bike-Buddy bist, der Morgenwind zwingt dir Tränen in die Augen und du fährst johlend vor Freude los...

Noch nicht speziell genug? Dann stellst du dir das Ganze auf Menorca in einem Naturpark vor. Im blauen Morgenlicht, vor dir ein Leuchtturm, der dir mit seinem drehenden Lichtsignal den Weg weist. Das ist ein Moment! Willkommen am Cap de Favaritx, willkommen im Parc Natural de s’Albufera des Grau.

Während die Sonne sich an den Horizont herantastet, kundschaften wir fahrend diesen wunderschönen Ort aus. Ein Abschnitt hat es Dennis besonders angetan: Eine holprige, felsige Stelle an der steilen Klippe. Wir kommen ins spielerische Üben und haben den Dreh bald raus.

Schweren Herzens trennen wir uns vom Cap und fahren nördlich Richtung Mongofre Nou. Wir befinden uns wieder in Fully-Territorium. Der Untergrund wechselt häufig. Sobald du dich an die Situation gewöhnt hast, kommt eine andere. Flowige Singletrails, sandige Flächen und steile Waldwege – es ist alles dabei. Eine Rast nutzen wir aus und verarzten noch mein leicht blutendes Schienbein. Was ist passiert? Die Flat-Pedale wird nicht ohne Grund auch «Tatze» genannt.

Danach geht es weiter: Ein buntes Gemisch aus Singletrail-Charakter, entspannten Stellen und rasanten Abfahrten über staubige Flächen. Und wir haben nur einen Bruchteil des Camí de Cavalls befahren. Aber dieser Bruchteil alleine war vielfältig, spannend, anspruchsvoll… und «es stüübed» beim Biken auf Menorca regelmässig.

Übersichtskarten

Footnotes: Herzlichen Dank Marina, Dennis, Sylvia und Fundació Foment del Turisme de Menorca.