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TransAfrika

In 100 Tagen von Kairo nach Kapstadt – ein grosses Abenteuer, auf dass sich die achtköpfige Reisegruppe eingelassen hat. In einem komfortablen Truck, "Dino", reisen sie zusammen mit dem Schweizer Guide Christian "Chrigu" Dinkel und dem Fahrer Markus Balsiger durch den schwarzen Kontinent, überqueren den Äquator, durchfahren Wüsten, Steppen, Gebirge und Wälder – Afrika pur!

Von bürokratischen Herausforderungen zu Beginn der Reise über interessante Begegnungen mit Einheimischen bis hin zu unvergesslichen Naturspektakeln: Was die Gruppe auf ihrer Reise alles erlebt, ist im Reiseblog von Chrigu, in Zusammenarbeit mit 20 Minuten, zu lesen.

Der Reiseverlauf ist hier zu finden.

Reiseblog:

+20. August 2014

Die 100-tägige Reise kann beginnen

Im Truck geht es für eine Schweizer Gruppe einmal längs durch Afrika. Reiseleiter Christian «Chregu» Dinkel berichtet für 20 Minuten von dem Abenteuer.

Wir machen es uns auf dem durchgesessenen Sofa im Büro der Zollagentur wieder bequem. Doch die Nerven sind angespannt – es ist alles andere als gemütlich. Es scheint, als laufe uns die Zeit davon. Schon morgen Sonntag werden die Reiseteilnehmenden in Kairo ankommen. Doch wir sitzen noch immer hier in Alexandria fest. Wir warten ungeduldig auf Dino, der in wenige Minuten in die Freiheit entlassen werden soll.

Ungeduldig beobachten wir den Kurs der Grande Bretagne online im Internet. Es sieht aus, dass das Frachtschiff nie auf Alexandria zusteuern will, um Dino in Ägypten freizulassen. Dino ist unser Truck, der uns die nächsten 100 Tage sicher von Kairo nach Kapstadt bringen soll. Die RoRo-Fähre kommt mit drei Tagen Verspätung am Mittwochnachmittag in Alexandria an. Es bleiben uns nur noch wenige Tage für die Formalitäten und Auslösung des Trucks aus dem Hafen. Heute können wir nichts mehr erledigen, da die Büros schon geschlossen sind. So stehen wir am Donnerstag frühmorgens schon im ersten Büro, um den Papierkram zu beginnen. Wir rennen von Büro zu Büro, füllen Formulare aus und holen uns die wichtigen Stempel. Alles läuft ausgezeichnet und wir haben ein gutes Gefühl, dass wir Dino noch heute aus dem Hafen kriegen werden.

Unsere Hoffnung wird auch mehrfach von den verschiedenen Agenten und Beamten getragen. Auf einen Schlag stirbt sie im Büro der Immigration: Damit Bausi, unser Fahrer, den Truck lenken darf, muss er eine Aufenthaltsbewilligung für Ägypten besitzen. Unterdessen ist es Donnerstagnachmittag. Der Chefbeamte ist schon frühzeitig ins Wochenende gegangen. Er darf als Einziger die Bewilligung unterschreiben. In den islamischen Ländern ist Freitag der Sonntag – alle Büros und die meisten Geschäfte bleiben geschlossen. Das heisst für uns: Wir müssen bis Samstagmorgen ungeduldig warten. Erst dann können wir die aufwändigen Formalitäten weiterführen.
So packen wir die Gelegenheit, lassen uns nicht zermürben und besichtigen die Stadt ausgiebig. Wir fühlen uns sicher und auch ein bisschen wie zu Hause dank der herzlichen Gastfreundschaft der ägyptischen Bevölkerung. Sie freut sich, dass sich trotz der aktuellen Situation Europäer im Land zeigen. Sie begrüssen uns mit einem ehrlichen «Welcome to Egypt»!

Samstagmorgen: Frühzeitig stehen wir im Immigrationsbüro – eingepfercht zwischen vielen schwitzenden Wartenden vor dem Schalter. Die Beamten dahinter sitzen im klimatisierten Büro. Wir müssen eine Stunde ausharren, bis endlich der Pass mit der langersehnten Aufenthaltsbewilligung durch die Scheibe gereicht wird. Mit dem Taxi fahren wir weiter zum nächsten Büro, dort noch eine Kopie, da noch ein Stempel – eine Irrfahrt quer durch die Stadt. Andere würden es Sightseeing nennen. Schliesslich landen wir kurz vor Feierabend mit allen nötigen Dokumenten verschwitzt und schon etwas genervt auf dem Sofa der Zollagentur.

"Huup" – das Horn von Dino lässt uns aufspringen. Mit Freude erblicken wir durch das Fenster unser Reisegefährt in tadellosem Zustand. Die Transa-Afrika-Reise kann beginnen!

+2. September 2014

Daumen drücken für die Grenzüberquerung

Die erste Etappe der Transafrika-Reise ist geschafft. Nun steht der Übergang von Ägypten in den Sudan bevor. Ob die Abkürzung über den Landweg gelingt?

Kairo – die Reisegruppe sitzt vollzählig am Pool im Hotel Oasis –, eine Oase der Erholung mitten in der riesigen, staubigen und lärmigen Stadt. Wir lernen uns kennen und besprechen die Reise. Was wird uns wohl auf dieser langen Reise quer durch den schwarzen Kontinent erwarten? Welche Hürden müssen wir überwinden? Welche schönen Momente dürfen wir wohl gemeinsam erleben? Wir haben viele offene Fragen, auf die wir in den nächsten 100 Tagen sicher eine Antwort erhalten werden. Am nächsten Morgen sitzen wir gemeinsam in unserem Truck und fahren durch die farblosen Strassen. Gewaltige Bauten erscheinen vor uns, die noch immer pharaonisch die Häuser um ein Vielfaches überragen: Wir stehen vor den Pyramiden von Giseh – unser erstes Highlight. Die Transafrika-Reise hat begonnen!

Mertsigir, «die, die Stille liebt» – so hiess die Schutzgöttin des Tals der Könige. Während rund 600 Jahren (1700–1100 v. Chr.) liessen sich hier die Pharaonen beisetzen. Ein im Fels verstecktes Grab ist besser vor Räubern geschützt als die weithin sichtbaren Pyramiden. Der Besuch dieser mit bunten Zeichnungen und Symbolen bemalten Grabkammern ist überwältigend. Hätten die Ägypter doch nur einen kleinen Teil dieses Flairs für Architektur und Kunst in die heutige Zeit retten können!

In den nächsten zwei Tagen wohnen wir auf einer Feluke, liebevoll umsorgt von drei Nubiern. Das Segelschiff pflügt sich je nach Windrichtung mal im Zickzack von einem Ufer zum anderen, mal geradeaus durch den sanft dahinfliessenden Nil. Kleine Dörfer mit pastellfarbenen, kubischen Häusern, winkende und rufende Kinder und auf schmalen Grünstreifen grasende Esel ziehen an uns vorbei. Die Ruhe wird ab und zu vom dumpfen, hämmernden Ton der Diesellok des Nilexpress oder der Aufforderung eines Muezzins zum Gebet unterbrochen. Beeindruckend, wie sich das Leben von 95 Prozent der ägyptischen Bevölkerung auf diesem schmalen, grünen Streifen entlang des Nils abspielt.

Schnurgerade führt uns die Teerstrasse durch die unendlich flache Wüste. Das Licht ist grell, die Farben sind verschwunden. Die Sonne brennt unerbittlich auf uns runter. Die Steine glühen vor Hitze und der Sand scheint zu schmelzen. Durch das offene Fenster dringt trockene, heisse Luft ins Fahrzeuginnere. Das Thermometer zeigt 43°C. Wir sind auf dem Weg nach Abu Simbel. Morgen findet die offizielle Eröffnung des ersten Grenzübergangs auf dem Landweg zwischen Ägypten und Sudan statt. Wir möchten unbedingt dabei sein, um hier als erste Reisende die Grenze auf dem Landweg überqueren zu können. Dies würde uns eine mühsame, dreitägige Fahrt mit der Fähre über den 500 km langen Nasser-See ersparen. Wird unsere Hoffnung wohl in Erfüllung gehen?

Wir sitzen mitten in der dunklen Nacht. Über uns leuchtet unverfälscht das Sternenmeer. Um die Ohren haucht eine warme Brise. Diese Ruhe und Einsamkeit – ein unbeschreibliches Gefühl. Plötzlich erhellt grelles Scheinwerferlicht die Dunkelheit und holt uns aus unseren Träumen zurück. Majestätisch erscheinen die Pharaonen vor uns in ihrer übermenschlichen Grösse. Wir sitzen in Abu Simbel vor dem mächtigen Tempel des Ramses II. – in der Nacht vor dem Tag der Entscheidung.

+4. September 2014

Der Tag der Entscheidung

Es ist geschafft: Die TransAfrika-Reisegruppe konnte die Grenze zwischen Ägypten und dem Sudan auf dem neu eröffneten Landweg überqueren. Reiseleiter Christian Dinkel berichtet.

Der Wecker schrillt. Es ist 6 Uhr in der Früh. Heute entscheidet sich, wie unsere Reise weitergehen wird. Bisher konnte man die Grenze zwischen Ägypten und dem Sudan nur mühsam mit der Fähre über den 500 km langen Nasser-See überqueren. Dies soll sich mit der heutigen Eröffnung des ersten Grenzübergangs auf dem Landweg schlagartig ändern. Diese einmalige Chance wollen wir uns nicht entgehen lassen.

Um 7 Uhr stehen wir gut gekleidet und voller Hoffnung vor dem Eingangstor des neuen Fährhafens in Abu Simbel. Totenstille. Keine Person in Sicht. Dann rührt sich etwas im Wärterhäuschen. Ein freundlicher Beamter im Pyjama kommt heraus. Wir lassen ihm Zeit, sich für den Tag frisch zu machen und die Haare zu frisieren. Rausgeputzt und in Uniform kommt er ein paar Minuten später strahlend zu uns. Der Chef hat zugestimmt, dass wir ins Hafengelände fahren dürfen. Die erste Hürde ist geschafft!

Wir stehen allein auf dem grossen Parkplatz. Kaum zu glauben, dass heute eine offizielle Feier stattfinden soll. Je mehr Zeit vergeht, desto mehr Pick-ups und Busse treffen ein. Sie sind beladen mit bärtigen Männern – in weisse Galabaijas gekleidet, den Kopf kunstvoll mit weissen Tüchern umwickelt, die Füsse in einfachen Sandalen.

Plötzlich kommt Hektik auf
Vor uns stehen zwei neue Fähren, grosszügig beflaggt mit den ägyptischen Nationalfarben Rot, Weiss und Schwarz. Sie sollen in Zukunft die Reisenden in einer Stunde über den Nil zur neuen Asphaltstrasse bringen. Wir werden wie die anderen auf eine dieser Fähren beordert. Die Einheimischen nehmen uns sofort in Beschlag. Es wird herzhaft gegrüsst, gelacht und angeregt diskutiert – den Kopf auf die den hölzernen Gehstock umfassenden Hände abgestützt.

Plötzlich kommt Hektik auf. Kurz darauf braust ein bewaffneter Konvoi heran. Hinter den verdunkelten Fenstern sitzt die Nomenklatur. Die Fähren legen ab, auf der einen das Fussvolk mit uns und auf der anderen die VIPs. Die nächste Hürde ist geschafft!

Sogar das Fernsehen ist da
Wir stehen vor den verschlossenen Toren des neu gebauten Grenzpostens in der leeren Wüste. Nach langem Hin und Her wird uns geöffnet und wir dürfen die Ausreiseformalitäten über uns ergehen lassen. Die dritte Hürde ist geschafft!

Im neu eröffneten Zollübergang wimmelt es von Beamten. Dementsprechend herrscht viel Rummel mit TV-Leuten, Fotografen und Journalisten. Jeder versucht sich möglichst vorteilhaft zu positionieren. Loblieder auf die grossartige Errungenschaft der paar Häuser in der Öde werden gesungen. Alles wirkt noch improvisiert und chaotisch.

Mittendrin wir, als einzige Reisende. Ein kurzes Interview mit dem sudanesischen Fernsehen (wie gewünscht in typischer Touristenmontur mit Rucksack und Fotoapparat) und dann noch ein Foto mit dem sudanesischen Zolldirektor. Er begrüsst uns persönlich als erste Reisende, die die Grenze zwischen Ägypten und Sudan auf dem Landweg offiziell überquert haben. Die letzte Hürde ist geschafft – wir sind im Sudan!

+9. September 2014

Der Lebensader entlang durch die Wüste

Die Transafrika-Reisegruppe durchquert den Sudan: Eine abwechslungsreiche Reise dem Nil entlang Richtung Süden beginnt. Reiseleiter Christian Dinkel berichtet.

Der Hahn kräht. Die Ziegen meckern. Das Leben erwacht in Wadi Halfa. Nach einer unruhigen Nacht unter freiem Himmel im geschützten Innenhof stehen wir erwartungsvoll auf, um ein neues Land zu entdecken – den Sudan.

Wir fahren dem Nil entlang gegen Süden, schlafen mal in der Wüste, mal am Flussufer. Wir passieren kleine Dörfer, die sich zwischen der Wüste und dem schmalen, fruchtbaren Streifen entlang des Nils reihen. Die aus Lehm gebauten Wohnanlagen bestehen aus einzelnen Zimmer, angeordnet um einen Innenhof. Geschützt mit mannshohen Mauern, kann die Anlage nur durch ein meist farbiges und verziertes Tor betreten werden. Wir werden mit Datteln begrüsst und revanchieren uns mit einer Schachtel «Schweizer Guetzli».

Die Gastfreundschaft beschert uns viele herzliche Begegnungen mit den Einheimischen. Wir haben unser erstes Nachtlager unter Palmen nahe dem Nil aufgeschlagen. Schnell stehen die wenigen Einwohner des benachbarten Dorfes auf der Matte. Die Mütter tragen ihre Babys auf den Armen. Ein besonders verspieltes Kind fällt auf, wird mal von der einen, mal von der anderen Frau geherzt. Es wächst ohne Mutter auf. Diese ist mit kaum 18 Jahren kurz nach der Geburt verstorben – eine der Realitäten Afrikas.

Die vielen Gesichter der Wüste
Schweissgebadet greifen wir zur Wasserflasche. Auf den letzten paar hundert Metern zu unserem einsamen Nachtplatz säuft unser Truck im tiefen, lockeren Sand viermal ein. Wir buddeln jeweils im heissen Sand, legen Sandbleche aus und hoffen, dass die Räder endlich greifen. Ein schöner Nachtplatz zwischen sanften Dünen will verdient sein.

Auf unserer Reise durch den Sudan treffen wir immer wieder auf Sehenswürdigkeiten aus vergangenen Zeiten. Wir besuchen die Pyramiden von Jebel Barkal. Majestätisch stehen sie ohne Einzäunung an der Grenze zwischen dem fruchtbaren Niltal und der lebensfeindlichen Wüste. Die Pyramiden sind an diesem Tag das Ausflugsziel mehrerer sudanesischer Familien. Die Männer sind ganz in Weiss, die Frauen in farbige Tücher gekleidet und die Jungen tragen Trikots europäischer Fussballklubs. Die Finger und Zehen der Frauen aus feiner Gesellschaft sind gänzlich schwarz bemalt. Knöchel und Handrücken sind kunstvoll mit Henna verziert.

Die Wüste hat verschiedene Gesichter: Zu Beginn wirkt sie mit ihren faden Grau- und Brauntönen und im Kontrast zur Vegetation am Nil abweisend, dann mit feinkörnigem, in sattem Gelb erscheinendem Sand fast lieblich und in Abschnitten mit Wüstengras und kleinwüchsigen Akazien vor anthrazitfarbenen Hügeln beinahe schon einladend.

Als hätten wir eine wichtige Facette unterschlagen, kommt in der vierten Nacht ein Sandsturm vorbei. Wir müssen uns aus den Zelten graben. Der nächste Tag ist angebrochen. Wir besuchen die nubischen Gräber von Meroe, eine königliche Nekropole aus der Blütezeit der schwarzen Pharaonen.

Eindrucksvoll stehen die mit Kantenleisten verzierten Pyramiden auf einer Anhöhe. Uns beeindruckt besonders der Nordfriedhof. Dort besitzen die Pyramiden angebaute Tempel, die reich mit Reliefs verziert sind, eine weltweite Exklusivität.

Äthiopien rückt näher
Wir nähern uns Khartum. Der Verkehr nimmt zu. Die Buschauffeure fühlen sich wie die Könige der Landstrasse und fahren entsprechend wie die Henker. Schwere, überladene Laster quälen sich vorwärts und bleiben oft auch einfach mitten auf der Strasse stehen. Die Kontrollen werden häufiger. Uniformierte Polizisten in Flip-Flops verlangen irgendwelche Papiere. Wir erreichen die stickige, schmutzige, chaotische und vom Verkehr verstopfte Stadt – eine schnell wachsende Metropole am Zusammenfluss des Weissen und Blauen Nils.

Je mehr wir uns Äthiopien nähern, desto mehr wird die Gegend auch abseits des Nils immer grüner. Mit Reis, Mais, Hirse und Luzerne bepflanzte Felder ziehen vorüber. Die Behausungen werden allmählich kleiner und bescheidener. Wir haben definitiv die Sahara hinter uns gelassen und begeben uns nach Schwarzafrika. Der Himmel ist seit zwei Tagen bedeckt, das Licht diffus. Kaum haben wir die Grenze zu Äthiopien passiert, empfängt uns der erste Regen seit unserem Start in Kairo. Offensichtlich ein Gruss aus der fernen Schweiz.

+18. September 2014

Auf das Dach Afrikas

Regen prasselt aufs Zelt. Die Kälte schleicht sich langsam durch den Schlafsack. Afrika zeigt sich von der ungemütlichen Seite. Die Regenzeit ist noch nicht ganz abgeklungen. Wir verbringen unsere erste Nacht in Äthiopien abseits der Strasse im Grünen. Was für ein Gegensatz zu den letzten Tagen in der Wüste!

Der erste Tag im 13. Monat bricht an. Die Sonne geht auf, obwohl es erst drei Uhr morgens ist. Wir sind irritiert. In der Zeitrechnung Äthiopiens hat jeder Monat strikt 30 Tage. Die Restlichen ergeben den mit Feierlichkeiten gefüllten 13. Monat. Das Neujahr beginnt am 11. September. Die Jahreszählung erfolgt in Anlehnung an den julianischen Kalender. Der äthiopische Tag beginnt nicht um Mitternacht sondern bei Sonnenaufgang um 6 Uhr und endet nach 12 Stunden bei Sonnenuntergang. Die Nacht dauert von abends 6 bis morgens 6 Uhr. Eine Zeitrechnung, die immer wieder zu Missverständnissen führen wird.

Es ist Zeit, um den lokalen Führer zu treffen. Mit ihm wollen wir vier Tage durch die Simien Mountains trekken. Auf dem Weg in die Berge laden wir Unmengen von Küchenutensilien und Schachteln voll mit Nahrungsmitte zu. Zwei Scouts mit alten Gewehren, ein Koch und zwei Küchengehilfen steigen ein. Unser Truck hängt schon bedrohlich hinten runter. Nebel und Regen begleitet uns auf der Fahrt zum ersten Camp auf 3400 m.ü.M. Unsere Stimmung ist getrübt. Hoffentlich regnet es nicht die ganze Zeit die wir zu Fuss unterwegs sein werden. Am Abend hellt unsere Stimmung auf. Unser Koch bereitet mit einfachsten Mitteln ein köstliches Essen zu – gekleidet in sauberem weissem Kochgewand.

Der andere Morgen begrüsst uns etwas freundlicher. Erste Gelegenheit einen Eindruck dieser imposanten Landschaft zu erhalten: ein riesiges Plateau, steil abfallende Felswände, tiefe Schluchten, hohe Wasserfälle, mächtige Basalttürme, Heidelandschaften und Hochmoore. Riesenlobelien mit meterhohen Kerzen und baumgrosse Erikagewächse mit Bartflechten behangen geben bei aufziehendem Nebel eine gespenstische Stimmung.

Wir begegnen verschieden Gruppen von Dscheladas – hauptsächlich Gras fressende Blutbrust-Pavianen. Tagsüber wandern sie über Wiesen, rupfen mit beiden Händen das Gras aus und ziehen sich für die Nacht in Felsnischen zurück. Nicht selten mischen sich unter die Dscheladas äthiopische Steinböcke. Die Männchen tragen riesige Hörner. Sie sind die südlichsten vorkommenden Wildziegenart, welche unserem heimischen Steinbock zum Verwechseln ähnlich ist. Kurz vor der Abenddämmerung erreicht der Tag einen weiteren Höhepunkt. Der äusserst seltene äthiopische Wolf präsentiert sich in der Nähe unseres Camps.

Wir wandern rauf und runter entlang hoher Felswände, durch üppige Vegetation in den Tälern und über sanfte Wiesen auf den Bergrücken. In den sanften Hängen sind zaghaft Getreidefelder der Bergbauern angelegt. Teff wird hier angebaut. Ein traditionelles, glutenfreies Getreide mit welchem „Injera“ hergestellt wird. „Injera“ ist ein dünner grosser Sauerteigfladen, auf dem verschiedene scharf gewürzte Speisen serviert werden. Mit der rechten Hand reisst man sich ein mundgerechtes Stück Fladens ab und führt damit eine der schmackhaften Speisen in den Mund.

Die Bevölkerung in den Simien Mountains ist fast ausschliesslich muslimischen Glaubens. Ihre Siedlungen reichen bis auf über 4'000 m.ü.M. In einem der typischen Rundhäuser sind wir zu einer rationellen Kaffeezeremonie eingeladen. Das aus Eukalyptusstämmen gebaute Haus betritt man durch eine niedrige Öffnung. Unter dem gleichen Dach sind die Unterstände für Pferde, Esel und Vieh. Die Gastgeberin kauert vor dem kleinen Feuer, röstet Kaffeebohnen auf einem einfachen Blech, mörsert die Bohnen und übergiesst das Pulver mit heissem Wasser. Sie giesst laufend nach, dann das erste Tässchen ist für das erste Kind, das zweite für die Freunde und das dritte für den lieben Gott.

Am vierten Tag steht uns der Höhepunkt bevor: die Besteigung des zweithöchsten Gipfel Äthiopiens. Wir wollen den 4'430 Meter hohen Mount Bwahit erklimmen. Die Sonne scheint. Die Luft wird dünner. Die Atmung wird schwerer. Das Tempo wird langsamer. Geschafft! Wir stehen zwar müde aber glücklich und zufrieden auf dem Dach Afrikas.

+23. September 2014

Äthiopien, das Land der Kirchen und Klöster

Das Rad dreht durch, der Motor heult auf – wir stecken mit unserem Truck fest. Der Regen von letzter Nacht hat die Piste aufgeweicht. Nun heisst es Hand anlegen: die Schlammlöcher mit Steinen füllen, die Buckel mühsam mit der Schaufel abtragen. Dann ein weiterer Versuch um die schwierige Passage zu meistern. Der Truck kommt mit Schwung. Schlamm spritzt mir in die Augen und siehe da, die Arbeit hat sich gelohnt. Die Reise zu den äthiopisch orthodoxen Kirchen und Klöstern kann weiter gehen.

Wir sind auf dem Weg zurück von den Simiens Mountains nach Axum. Schwindelfreiheit ist gefragt. Unser Truck zwängt sich auf schmalen Strassen durch steil abfallende Berghänge, über den Magen strapazierende Serpentinen, über wenig vertrauenswürdige Brücken und schliesslich – als ob dies alles nicht schon genügt hätte – durch uns entgegenkommende rotbraune Sturzbäche. Wie üblich in den letzten Tagen entlädt sich ein gewaltiges Gewitter gegen Abend.

Axum ist als Aufbewahrungsort der alttestamentlichen Bundeslade, Stadt der ersten äthiopischen Christen und früherer Sitz des Kirchenoberhaupts das wichtigste religiöse Zentrum für die orthodoxen Christen Äthiopiens. Mönche und Pilger singen und beten überall auf dem weitläufigen Areal mit Kirchen und Kloster. Sie legen Zeugnis ab von der tiefen Spiritualität grosser Teile der Bevölkerung.

Wir verlassen die Hauptstadt des ehemaligen axumitischen Reiches. Die Strasse windet sich durch Tafelberge und kleinere Canyons. Auf einem dieser Tafelberge liegt das Kloster Debre Damo. Der Sage nach wurde es im 6. Jh. gegründet und könnte somit das älteste noch existierende Kloster Äthiopiens sein. Nur männliche Wesen dürfen diesen Berg betreten. Eine ca. 15 Meter hohe Felswand versperrt den Aufgang zum Männerkloster. Mit Hilfe eines Seils – aus zusammengeschnürten Lederstücken – und einem starken, jungen Mönch – der uns von oben hinaufzieht – können wir diese Stelle überwinden. Heil oben angekommen, überblicken wir eine grosse Ebene auf welcher sich die Lehmhäuser der rund 450 Mönche um die Kirche verteilen. Von einem Mönch werden wir zu einem Glas Tedj eingeladen. Tedj ist ein traditioneller Honigwein und wird von den Mönchen selber gebraut. Es wird aus Wasser, Honig und Gewürzen hergestellt. Wir betreten nüchtern das sauber herausgeputzte Haus und verlassen es dankend und etwas beschwipst wieder.

Die Strecke gleicht einem steten Rauf und Runter, vorbei an kaum veränderter Landschaft. Die frühen Abende bieten allerdings beste Unterhaltung: Warmes Licht, dunkelgrüne, blaue und graue Konturen der umliegenden Berge.

Lalibela, Ort der Mythen und des Glaubens, liegt versteckt und abseits historischer Handelsrouten auf einem Plateau und ist nach dem berühmtesten König der Zagwe-Dynastie benannt. Hier befinden sich die aus dem roten Tuffstein und nach Osten ausgerichteten Felsenkirchen. Der Hof des grössten Gotteshauses, Bete Medhane Alem ("Haus des Welterlösers") ist ca. 45m lang, 43m breit und 10-15m hoch. Wir staunen gewaltig und fragen uns, wie diese schieren Massen aus dem Mutterfels herausgearbeitet werden konnten. Aufzeichnungen darüber sind keine vorhanden. Als Prunkstück aller monolithischen Felsenkirchen in Lalibela gilt die Kirche des hl. Georg (Bete Georgiys). Sie ist in Form eines griechischen Kreuzes herausgeschlagen worden.

Die Strasse windet sich runter auf eine riesige Hochebene. Hier liegt der grösste Binnensee Äthiopiens und der viertgrösste Afrikas – der Tanasee. In ihm liegen insgesamt 37 Inseln, auf denen sich etliche Klöster befinden. Auf der Fahrt über den trüben See zum Kloster "Ura Kidane Meheret" sehen wir Fischadler, Pelikane und die in der Region gebräuchlichen Tankwas. Diese altertümlichen Boote werden aus zusammengeschnürten Papyrusstangen hergestellt und zu einem länglichen, schmalen Boot geformt. Sie saugen sich nach einer gewissen Zeit voll mit Wasser und müssen deshalb öfters zum Trocknen in die Sonne gelegt werden. Sie werden noch heute von Fischern oder zum Holztransport genutzt.

"Ura Kidane Mehret" (Erzengel Uriels Bündnis der Gnade) ist eine der typischen Rundkirchen, wie sie nach dem Ende der Felsenkirchen-Ära ab dem 14. Jh. gebaut wurden. Sie bestehen aus einer Holz- und Lehmkonstruktion. Das Dach besteht aus Stroh. Ein gedeckter Wandelgang umrundet das Innere der Kirche. Der zentrale Kubus kann nur über vier Seitentüren vom Wandelgang her erreicht werden. Die Wände des Allerheiligsten sind mit farbenfrohen Malereien geschmückt. Sie zeigen Darstellungen aus der Bibel oder von äthiopischen Heiligen. Die Gesichter der Guten werden immer mit zwei Augen, die der Bösen mit einem Auge abgebildet.

Mit zwei offenen Augen geht unsere Reise weiter durch Äthiopien – durch das Land der Menschen und Märkte.

+30. September 2014

Äthiopien, das Land der Menschen und Märkte

Wasser donnert in die Tiefe, Gischt steigt in den Himmel und ein Regenbogen beugt sich über das Geschehen. Wir stehen vor den imposanten Tis Issat ¬– den Blauen Nil Fällen. Der mächtige Fluss führt derzeit sehr viel Wasser. Eine Entschädigung für die täglichen Gewitter, die wir erdulden müssen. Die Reise durch das Quellgebiet des blauen Nils geht weiter.

Um die Fällen zu besichtigen haben wir eine von den Portugiesen im 17. Jh. erbaute Steinbrücke zu überqueren ¬– ein schwieriges Unterfangen. Ohne Unterbruch hetzen uns barfüssige und alles Mögliche an Ware schleppende Bauernfamilien auf dem Weg zum lokalen Markt entgegen. Ein typisches Bild in Äthiopien. Der Markt ist wichtigster Ort des lokalen Handels und gleichzeitig ein wichtiger Ort der Begegnungen und den neusten Informationen.

Viel Betrieb auf Strassen und in Dörfern
Nach Tagesanbruch ziehen Karawanen behänden Schrittes über weite Strecken. Menschen von Sonne oder Regen geschützt unter dem Regenschirm, mit einem Huhn unter dem Arm oder gleich mehreren am Stock hängend, mit Injera-Körben auf dem Kopf balancierend – barfuss, mit Plastikstiefel oder Plastiksandalen. Sie tragen Kranke auf einer behelfsmässigen Bahre über Stunden zur nächsten Krankenstation. Sie holen Wasser mit den üblichen gelben Plastikkanistern am Fluss unter der Brücke. Gleichenorts waschen sie ihre Autos und Motorräder, ihr Kochgeschirr, ihre Kleider und verrichten auch ohne Hemmungen ihre Körperpflege.

Und dann warten sie, die Äthiopier, auf einem Schemel sitzend oder einfach kauernd. Sie warten geduldig auf irgendein Transportmittel, auf Arbeit, auf Käufer, auf ein paar wenige Kunden, auf etwas Überraschendes, auf eine göttliche Eingebung, auf den lieben Gott selbst. Die Jugend vergnügt sich an den Töggelikästen oder Billardtischen. Beinahe in jedem Dorf steht an der Strasse ein solches Spielgerät. Schon kleine Kinder ziehen verantwortungsvoll mit ihren grossen Vieherden umher. Ihren Regenumhang tragen sie stilvoll gefaltet als Kopfschmuck. Auf den Feldern pflügen ihre Eltern mit Rindern die Felder, pflanzen gebückt Setzlinge und ernten von Hand das Getreide. Sie alle lachen und winken uns zu!

Der Tag neigt sich dem Ende zu. Mensch und Tier kehren zurück von der Arbeit, den Märkte, den Äckern und Weiden. Überladene Esel-Wagen, reich geschmückte Pferde, Watussi-Rinder mit ihren mächtigen Hörnern, Schafe und Ziegen versperren die Strasse – alles wirkt wie eine grosse Prozession. Wir finden einen netten Nachtplatz draussen in der Natur, geniessen unser selbstgekochtes Essen und lassen den Tag am Lagerfeuer gemütlich ausklingen.

Auf in neue Gefilde
Auf unserer Fahrt Richtung Süden verlassen wir das Dach Afrikas allmählich. Unser nächstes Ziel ist der im Süden gelegene Nech Sar Nationalpark in der Nähe von Arba Minch. Am Abend sind wir endgültig in der Wildnis angekommen. Wir nächtigen das erste Mal auf unserer Reise im Urwald. Ein dichtes Blätterdach überspannt unser Camp. Unzählige Lianen hängen runter von den Bäumen. Mit der Dämmerung beginnt es zu Zirpen, Summen und Lärmen.  Am anderen Morgen bringt uns die Bootsfahrt auf dem Chamo-See die vielgelobte afrikanische Tierwelt ein rechtes Stück näher. Krokodile sonnen sich auf den Papyrusinseln, Flusspferde tauchen aus dem trüben Wasser auf, Pelikane jagen gemeinsam Fische, Fischadler kreisen über unseren Köpfen und Marabus kontrollieren das Geschehen wie Polizisten. Ein erster Vorgeschmack auf die Nationalparks Ostafrikas.

Auf der Weiterfahrt durchqueren wir hügeliges Savannen-Gebiet. Die einzigen Farbtupfer in der eher farblich eintönigen Landschaft sind die Wüstenrosen – eine baumartige Pflanzen mit weiss-rosa-roten Blüten. Haushohe Temitenbauten ragen wie Kerzen aus dem Dornbuschwerk. Kamele und Ziegen knabbern an Zweigen. Der Süden Äthiopiens ist von verschiedenen, zahlenmässig recht kleinen Völkern besiedelt. Im Gegensatz zu weiten Teilen Afrikas haben sie ihre traditionelle Lebensweise beibehalten. Die Männer tragen Statussymbole, wie Stock oder Speer – die Frauen schleppen die schweren Lasten, wie Brennholz oder Wasserkanister.

Wir stehen in Moyale an der Grenze zu Kenia. Der Abschied fällt schwer. Noch eine letzte typische Geste der Wertschätzung: mit rechter Schulter an rechter Schulter verabschieden wir uns von der liebgewordenen Bevölkerung Äthiopiens.

+13. Oktober 2014

Schnee und Eis am Äquator

Es rattert, klappert und rüttelt. Wir sitzen eingepfercht zu siebt neben Fahrer und Führer im Land Rover. Was für ein Luxus! Im Zweiten sitzt unsere Begleitmannschaft – vierzehn an der Zahl. Die beiden Geländewagen vom Typ 109 haben schon locker 40 Jahre auf dem Buckel. Aber noch immer leisten sie ihren Dienst. Wie hiess es doch so schön im Prospekt der siebziger Jahre: Brauchen sie ein Arbeitstier, dann ist der Land Rover das richtige für Sie! Wie erinnert mich diese Fahrt an meine erste TransAfrika-Reise. Vor rund zwanzig Jahren war ich selber mit dem gleichen Typ eines Gefährts auf dem schwarzen Kontinent unterwegs.

Wir sind auf dem Weg zum Chogoro Gate des Mount Kenya Nationalparks. In den nächsten Tagen wollen wir den zweithöchsten Berg Afrikas besteigen. Die Fahrt führt uns durch primären Regenwald vorbei an mit Bartflechten behangenen Zedern und haushohem Bambus. Die kleine Erdpiste wird steiler und glitschiger. Schlussendlich drehen alle Räder unseres Geländewagens durch. Während wir die restlichen Meter zum Gate zu Fuss gehen, füllt der Fahrer nochmals einen Kanister Wasser in den ausgetrockneten Kühler. Der Motor heult schmerzerfüllend auf und langsam werden wir von den Arbeitstieren wieder überholt. Wir haben das Gate erreicht. Die Sonne steht schon tief. Zu Fuss ziehen wir mit Führer, Hilfsführer, Kochmannschaft und neun Trägern los.

Langsam bricht die Nacht hinein. Der Himmel klart auf, aber die schmale Mondsichel schenkt uns nichts an Helligkeit. Im Lichtkegel unserer Stirnlampen nehmen wir den letzten Kilometer zum ersten Camp auf 3'300 m.ü.M auf uns. Trotz dem schweren Gepäck von rund 20 Kilogramm sind unsere Träger schneller als wir. So erreichen wir das Lager. Unsere Zelte stehen schon. Die Begleiter haben sie für uns bereits aufgebaut. Die vierköpfige Küchenmannschaft bereitet im eigenen Zelt unter minimalsten Bedingungen für uns ein köstliches Abendessen zu.

Eine erste kalte Nacht liegt hinter uns. Die ersten Sonnenstrahlen lassen die Landschaft in warmen Rottönen erleuchten und erwärmen unsere steifen Knochen. Gleichmässig steigt der Pfad durch die Wiesenhänge hoch. Der Duft von Thymian, Gänsekraut und weiteren Kräutern steigt in unsere Nase. Meterhohe Senezien säumen den Weg – mal alleine, dann wie ein dichter Wald – mal zweifach, dann vielfach verzweigt.

Es ist Mittagszeit und langsam ziehen Wolken auf. Ein Gemisch aus Graupel und Regen lässt uns spüren, dass wir schon einiges an Höhe erreicht haben. Lobelien prägen das Bild – mal klein, dann mit riesigen Kerzen. Die Vegetation nimmt langsam ab, die Grautöne der Steinen und der Nebelfladen gehen ineinander über. Die Farblosigkeit wird durch rote Punkte durchbrochen – durch die leuchtenden Blüten der Gladiolen.

Vor uns liegt der steile Abstieg zu unserem nächsten Camp. Unsere Zelte stehen am Ufer des Lake Michaelson. Dahinter tummeln sich die Klippschliefer zwischen den Steinbrocken. Dieses dem Murmeltier ähnelnde Nagetier ist verwandt mit den Elefanten. Ihre ansonsten kaum erkennbare Verwandtschaft zu den Dickhäutern wird an den beiden ständig nachwachsenden Zähnen im Oberkiefer sichtbar.

Der nächste Morgen zeigt sich wieder von der schönsten Seite. Bald erreichen wir die Vegetationsgrenze auf über 4400 m.ü.M. Die kahle Gebirgslandschaft erinnert uns sehr an die heimischen Berge in der weit entfernten Schweiz. Das Wetter spielt das gleiche Spiel wie die Tage zuvor: Der Tag beginnt mit strahlendem Sonnenschein, gegen Mittag ziehen Wolken auf und bald darauf schneit es. Ein deutliches Zeichen, dass die Temperaturen unter null liegen.

Es ist 2 Uhr 30 in der früh – Zeit zum Aufstehen. Mit Stirnlampen steigen wir vom Shiptons Camp im Tatzelwurm dem Gipfel entgegen. Der Boden ist durchgefroren. Schnee liegt auf dem Pfad. Die Luft ist dünn. Langsam und vorsichtig erklimmen wir den 4985 Meter hohen Point Lenana – den dritthöchsten Gipfel des Mount Kenya Massives. Die aufgehende Sonne bringt die Hauptgipfel zum Glühen. Der Anblick lässt uns die Strapazen vergessen. Doch unser Glück hält leider nicht lange. Nebel zieht auf und nimmt uns die Sicht.

Wir stehen auf dem Gipfel und kurz darauf löst sich der Nebel zu unserer Freude rechtzeitig wieder auf. Der Atem stockt. Unter uns breitet sich Afrika aus. Genau zur Halbzeit unserer TransAfrika-Reise erreichen wir den höchsten Punkt unserer Tour. Nach 50 Tagen stehen wir am Äquator. Der Zenit unserer Reise ist erreicht!

+5. November 2014

Reise durch den Zentralafrikanischen Grabenbruch

Wir überqueren die Grenze, es regnet. Die Strasse windet sich in vielen Kurven durch eine satte grüne Landschaft, über unendlich viele Hügel, vorbei an kleinen Dörfern und Feldern von Kleinbauern. Kaum ein Fleck wird nicht landwirtschaftlich genutzt, überall sind Menschen. Kein Plastiksack fliegt herum, kein Müll liegt auf der Strasse, der Verkehr nimmt einen sehr geordneten Lauf und alle Motorradfahrer tragen einen Helm. Sind wir zu Hause angekommen? Nein, wir befinden uns in der «Schweiz Afrikas» oder im Land der «1000 Hügel», wie Ruanda auch treffend bezeichnet wird.

Fahrkünste auf kurvenreichen Strassen
Fahrräder prägen das Strassenbild – gekaufte aus Metall oder selbst gebaute aus Holz. Alles, unabhängig von Grösse und Gewicht, wird mit dem Velo transportiert: Ganze Bananenstauden, mit Schnüren zusammengebundene und selbst über den Lenker geworfene Ananas, Haustüren, Bettgestelle, Polstersessel, grosse, mit Gemüse prallgefüllte Körbe und Säcke – über hundert Kilogramm Ladung ist keine Seltenheit. Mit den in China gebauten Stahlrössern sausen die Fahrer ohne Rücksicht auf Verluste mit kaum funktionstüchtige Bremsen den Berg hinunter. Da es kaum möglich ist, mit nur dem einen Gang den Berg hinauf zu kommen, lassen sie sich ganz entspannt von Lastwagen hochziehen, natürlich auch von unserem «Dino». Oben angelangt folgt die nächste halsbrecherische Abfahrt.

Nach einer wirklich unterhaltsamen Fahrt erreichen wir den Kivu-See. Dieser liegt, gespickt mit vielen Inseln, malerisch eingebettet zwischen Hügeln und Vulkanen. Aus dem Krater des noch aktiven und sich schon im Kongo befindlichen Nyiragongo steigt Rauch in den Himmel. Im Kivu-See lagert sehr viel Methangas, dessen Herkunft nach wie vor umstritten ist, mit welchem jedoch seit kurzem mehr und mehr Strom produziert wird.

Der Exportschlager Ruandas
Mit einem kleinen Holzboot lassen wir uns zu einer typischen Kaffeewäscherei chauffieren und müssen schnell erkennen, dass der Kaffee nicht nur gewaschen wird, sondern der Prozess von der von Hand gepflückten Frucht bis in die Tasse viel komplexer ist. In grossen Wasserwannen werden die frisch geernteten Kaffeekirschen vorselektiert, durch eine sich drehende Walze vom Fruchtfleisch befreit und zur Fermentierung in weitere grosse Wannen gefüllt. Im Anschluss an die Gärung erfolgt der namensgebende Verarbeitungsschritt - das Waschen. Dadurch werden alle noch anhaftenden Reste an der Bohne entfernt, bis am Ende sie nur noch von der Pergamenthaut umgeben sind. Beim Waschen erfolgt über Schwemmkanäle auch die Selektion der Qualitäten: gute sinken ab, schlechte schwimmen oben auf und werden weggespült. Zum Trocknen werden die Bohnen dann auf gut belüfteten, erhöhten Tischen ausgebreitet. Zum Schluss entfernt eine Schälmaschine die getrocknete Pergamenthaut. Vor uns liegen die blitzeblank polierten Kaffeebohnen, bereit für die Röstung.

Hügelige Teeplantagen prägen das Bild: sauber geschnitte Sträucher an den Hängen, ordentlich angelegte Wege und oben auf den Hügeln – wie auf einem Thron sitzend – ein Haus oder Baum. Ab und zu stehen Teefabriken in welchen Grüntee und durch Fermentation hergestellter Schwarztee produziert wird. Beide Sorten wie auch der Kaffee sind hauptsächlich für den Export bestimmt.

Das dunkle Kapitel
Wir besuchen das «Kigali Genocide Memorial Centre», welches zum 10jährigen Gedenktag an den Völkermord in der ruandischen Hauptstadt eröffnet wurde. Die Gemeinschaftsgräber dieser Stätte beherbergen die Überreste von zirka 250'000 Menschen, davon viele namenlos. Die Leugnung und Verharmlosung des Genozids soll auf diese Weise erschwert werden. Die Ermordung von Präsident Habyarimana löste den Völkermord aus. Die Gräueltaten mit Macheten, Äxten, Hacken und ähnlichen Tatwaffen begannen am 6. April 1994. Sie kosteten nach Schätzungen gegen 1.000.000 Menschen das Leben. In annähernd 100 Tagen töteten Angehörige der Hutu-Mehrheit etwa 75 Prozent der in Ruanda lebenden Tutsi-Minderheit sowie nicht beteiligte und moderate Hutu. Irritiert und in Gedanken vertieft verlassen wir diesen Ort der Trauer, der Erinnerung, der Reflexion, des Austauschs und der Prävention.

Das tägliche Leben
Mit einem Helm über den Kopf gestülpt, schwingen wir uns hinten auf den Sitz und halten uns fest. Im Schnelltempo fährt uns der Lenker des Motorradtaxis für paar Rappen auf den Markt; wir kaufen für das Abendessen ein. Die Metzger stehen hinter kleinen Theken auf denen sie ohne Kühlung verschiedene Haufen von Fleisch anbieten, grössere Teile hängen über unseren Köpfen. Geschickt mit einem grossen Messer schneidet er das von uns gewünschte Stück runter. In der Halle nebenan reihen sich lange Holztische. Frauen sitzen auf ihnen oder stehen dahinter und bieten mit lautem Geschrei ihr Gemüse und ihre Früchte an. Feinsäuberlich präsentieren die Verkäuferinnen ihre Ware sortiert nach Preisklasse in kleine Haufen. Die Konkurrenz ist gross und es ist schwierig für uns die richtige Wahl aus dem grossen Angebot zu treffen.

Das Landschaftsbild ändert schlagartig. Die sanften Hügeln – mit vielen kleinen Häusern gespickt – wechseln zu flacher und ausgetrockneter Buschsavanne. Kaum noch Leute, wir haben die Grenze zu Tansania überquert. Unsere Zelte bauen wir an der Jakobsen-Beach auf, die traumhaftes Südseefeeling am Tanganyika-See bietet. Mit bis zu 1470 Meter Tiefe ist er der tiefste See Afrikas und macht über zehn Prozent aller Frischwasserreserven der Erde aus. Die Wassertemperatur ist angenehm warm und hat Badewannentemperatur. Herrlich – Entspannung ist angesagt.

Besuch bei unseren Verwandten
Ein Holzboot fährt uns zum Gombe Stream Nationalpark. Berühmt wurde der Park dank der Britin Jane Goodall, die das Verhalten unseren Verwandten in diesem bewaldeten Bergzuges direkt am Tanganyika-See intensive erforschte. Der Weg führt steil hinauf. Erste Rufe hören wir in weiter Ferne. Dann erreicht ein Funkspruch unseren Guide: Die Fährtensucher haben eine Gruppe ausfindig gemacht. Wir dringen weiter in die Berge und den Wald vor, es geht noch höher hinauf. Die Sonne brennt und wir sind schon knapp drei Stunden zu Fuss unterwegs.  Da!  – Durchs Dickicht erspähen wir die Schimpansen. Unsere Augen leuchten! Sie sitzen zwischen den Bäumen, lausen sich, turnen und spielen um uns herum. Glücklich begeben wir uns auf die Rückfahrt und freuen uns auf die Fahrt mit der Hundertjährigen.

+10. November 2014

Die Hundertjährige

Vom Deck der 1. Klasse beobachten wir das Beladen der geschichtsträchtigen, alten Dame im Hafen Kigomas. Unmengen an Fracht werden von den Hafenarbeitern in ihren abgenutzten T-Shirts angeschleppt. Schwere weisse Säcke füllen langsam das Vorderdeck, dazwischen stapeln sich riesige Körbe mit frischen Tomaten, gelbe und blaue Plastikkanister mit Palmöl, Schaumstoffmatratzen und Wellblech. Unmengen an Blockseifen versperren den Weg und unzählige frische Ananas häufen sich an der Reling zum Verkauf. Mit afrikanischer Gelassenheit kommen auch die Passagiere an Bord, ihr Gepäck auf dem Kopf balancierend, das Kind am Rücken umgebunden und in den Händen ein Huhn, eine Tasche oder paar Ananas haltend. Es ist laut und bunt. Dann ertönt die Schiffshupe zum zweiten Mal. Hektik bricht aus. Mit nur wenig Verspätung – 2 Stunden – sticht die 100 jährige M/V Liemba mit leichter Schlagseite in den Tanganyika-See. Mit ihr wollen wir in einer dreitägigen Fahrt nach Mpulungu in Sambia reisen.

Ein Schiff in tausenden Kisten
Das 67 m lange und 10 m breite Schiff wurde in der norddeutschen Meyer Werft gebaut, in seine Einzelteile zerlegt, in unzählige Holzkisten verpackt und erreichte 1914 Kigoma. Endgültig zusammengenietet machte die damals genannte «Goetzen» 1915 ihre Jungfernfahrt. Das zum Personen- und Warentransport bestimmte Schiff wurde im Ersten Weltkrieg bewaffnet. Als die Deutschen Truppen zurückzogen, wurde es an einer seichten Stelle versenkt, da man es nicht den gegnerischen Truppen überlassen wollte. Nach dem Krieg wurde das Boot von den britischen Kolonialherren nach fast acht Jahren unter Wasser gehoben. Es war in erstaunlich gutem Zustand. Daraufhin wurde es wieder instand gestellt, mit einem Passagierdeck ergänzt und umgetauft. Die Liemba ist mittlerweile eines der ältesten Passagierschiffe der Welt und noch immer das wichtigste Transportmittel für die am Tanganyika-See lebende Bevölkerung.

Handel auf dem Wasser
Nach dem Abendessen aus der Bordküche stehen wir an der Reling. Schon lange umhüllt uns totale Finsternis, rund herum herrscht tiefes Schwarz. Die Schiffshupe ertönt, die Motoren werden gedrosselt. Was ist denn jetzt los, fragen wir uns und starren angestrengt in die Nacht. Auf einmal erspähen wir schemenhaft ein Boot, dann zwei, drei und noch mehr tauchen aus der Dunkelheit im Scheinwerferlicht der Hundertjährigen auf. Mit reiner Muskelkraft angetrieben oder mit einem Aussenmotor versehen, pflügen sich die einfachen Holzboote durch die Wellen seitlich zum Rumpf der Liemba. Noch steht das Schiff nicht ganz still und schon werden Seile an Bord geworfen, die Boote über die ganze Schiffslänge vertäut, die Luken geöffnet. Mit lautstarkem Geschrei werden unzimperlich Mensch und Waren ein- und ausgeladen. Es wird herumkommandiert, verhandelt, verkauft und gekauft – laut wie auf einem Afrikanischen Markt. Das scheinbare Chaos funktioniert bestens und folgt bei längerem Betrachten doch einer bestimmten Ordnung. Nach kurzer Zeit  läutet bereits die Schiffsglocke zur Abfahrt. Eilig werden die verknoteten Seile gelöst und zurück geworfen. Die Boote fahren davon und werden bald von der Dunkelheit verschluckt. Es kehrt Ruhe ein. Sanft wiegt uns das gleichmässige Stampfen der Maschinen in den Schlaf. Tuuuut! Das Schiffshorn reisst uns nachts aus dem Schlaf – aha, der nächste Stopp.

Schiffsleben
Am nächsten Morgen sitzen wir im Heck auf einer Bank und schauen auf den See hinaus. Kleine Holzboote mit Segel aus zusammengenähten Säcken gleiten über den See. Der scharfe Duft von getrocknetem Fisch steigt in die Nase, Musik plärrt aus einem Handy, jemand liegt auf einer Bank und schläft, es wird getratscht und Kinder werden gestillt – die mehreren hundert Menschen an Bord sind entspannt. Aus der Bordküche duftet, raucht und dampft es, von früh bis spät wird gehackt, gebraten und gekocht. Wir betrachten die bunten Kleider und kunstvollen Frisuren der Frauen, unterhalten uns mit den Mitreisenden und lassen uns vom Treiben auf dem Schiff mitreissen. So schnell wie bei einem Stopp Hektik losbricht, so schnell kehrt nach der Abfahrt wieder Ruhe ein. Dann erscheint Mpulungu am Horizont, die Fahrt mit der Liemba geht zu Ende.

+17. November 2014

Unter der brennenden Sonne Afrikas

Mosi oa Tunya
Auf einer seiner Entdeckungsreisen wird David Livingstone erzählt, dass es im Innern Afrikas donnernden Rauch gebe. Nach einer langen Suche voller Strapazen stürzen sich vor ihm plötzlich gigantische Wassermassen in die Tiefe. Er nennt sie Victoriafälle, die einheimischen Kololos bezeichnen sie «Mosi oa Tunya» – „der donnernde Rauch“. Uns jedoch präsentiert sich nur eine trockene, 108 Meter hohe Felswand, über die ein kleines Rinnsal läuft. Wo sind diese Unmengen an Wasser geblieben? Es ist Ende der Trockenzeit, während der nur rund 10% der maximalen Wassermenge ankommt.

Meditatives Dahingleiten
Wir kämpfen uns mit dem Truck auf einer Weichsandpiste durch eng bestandenes Buschwerk zu einem Camp. Dieses liegt idyllisch an einer Lagune und ist Ausgangspunkt zu unserer Bootsfahrt im Okavango Binnendelta. Das riesige Schwemmland in der Kalahari-Wüste dehnt sich über eine Fläche aus, die rund doppelt so gross ist wie die Schweiz.

Auf verschlungenen Kanälen und Teichen werden wir in Mokoros durch dieses einmalige Sumpfgebiet hindurch chauffiert. Hier die Orientierung zu finden ist für uns unvorstellbar. Doch ein Führer steht balancierend hinter uns im schmalen Einbaum und stösst das Boot gekonnt mit einem langen Stock. Leise gleiten wir durch die flache Wasserlandschaft, beobachten unzählige Vögel, Krokodile, Wasserläufer und Fische; Wind rauscht durch Papyrus, Schilfinseln treiben umher, Wasserlilien wiegen auf der Oberfläche.

Unser Führer heisst Sunday – er wurde an einem Sonntag geboren. Mit ihm betreten wir eine der vielen baumbestandenen Inseln. Fächerpalmen, Wilde Dattelpalmen, Feigenbäume und Leberwurstbäume dominieren das Landschaftsbild. Duft von Yasmin steigt in die Nase. Auf schmalen Tierpfaden von Elefanten und Flusspferden gehen wir auf Wandersafari. Sunday erklärt uns Spuren und Pflanzen und erzählt mit Humor, Geschichten und Wissen aus dem Busch. Nur die frischen Haufen an Dung verraten uns, dass hier Elefanten leben – zu Gesicht bekommen wir leider keine.

Inzwischen steht die Sonne tiefrot am Horizont. Nur das Staken der Bootsführer ist leise zu hören, Papyrus raschelt und Vögel fliegen auf. Wir schweigen und geniessen mit all unseren Sinnen die Ruhe und die unberührte Natur. Wir erreichen „unsere“ Insel auf welcher wir weitab der Zivilisation die Zelte aufschlagen. Das Lagerfeuer knistert, es zirpt, singt, pfeift, schnattert und im Hintergrund grunzen die Flusspferde – mit dieser wunderbaren Geräuschkulisse Afrikas schlafen wir ein.

In der heissen Pfanne
Wir warten angespannt bei einem Wasserloch, keine Bewegung, keine Geräusche. Mit dem Feldstecher suchen wir die Büsche in der Umgebung ab. Da, wir entdecken eine Löwin im Schatten! Wir beobachten sie – sie beobachtet uns. Mit der Zeit traut sie sich näher, schaut nochmals vorsichtig auf bevor sie zu trinken beginnt. Der Bann ist gebrochen, weitere Löwen folgen ihr zur Tränke. Schliesslich zählen wir 14 Löwen. Ein grandioser Start zur zweitägigen Safari im Etosha Nationalpark.

Der Wecker schrillt und schon bald sitzen wir mit knurrendem Magen im Dino. Mit den ersten Sonnenstrahlen gehen wir auf Pirschfahrt: Gänse turteln am Wasserloch, Strausse kämpfen in der flimmernden Hitze, Trappen balzen zwischen den Grasbüscheln, Zebras zanken sich im Staub, Giraffen pflücken vorsichtig die saftigen Blätter der Akazien, Herden an Springböcken, Oryx und Gnus ziehen über die endlosen Weiden der Etosha-Pfanne.

Das letzte Tageslicht lassen wir an einem Wasserloch verstreichen. Geduld ist gefragt, nicht immer herrscht Spektakel. Aber die Ausdauer lohnt sich, schon nach kurzer Zeit taucht ein Nashorn auf – wir kriegen den nächsten der Big Five zu Gesicht. Die Sonne steht knapp über dem Horizont und die rot brennende Scheibe bringt die Savanne zum Glühen. Es ist einer dieser überwältigenden Tage für die wir diese lange Reise auf uns genommen haben.

+26. November 2014

Eine lange Reise geht zu Ende

Afrika spiegelt sich
Wind pfeift um die Ohren, Staub brennt in den Augen und Sandkörner schmerzen auf der freien Haut. Sandgestrahlt stehen wir auf Big Daddy – dem Vater aller Dünen. Sie ist die Höchste in Sossusvlei und soll überhaupt die Grösste weltweit sein. Der Aufstieg im weichen Sand war anstrengend: ein Schritt vorwärts, ein halber zurück. Unser Höhenmesser zeigt geschaffte 290 Meter an, als wir mit ausgetrockneter Kehle den spitzen Kamm erreichten. Trotz allem geniessen wir die Aussicht von hier oben. Soweit das Auge reicht Dünen und dazwischen weisse Senken bestückt mit mystischen Skeletten abgestorbener Bäume.
Allmählich verlassen wir die Namib-Wüste, das Pedant zur Sahara im Norden Afrikas. Die Vegetation nimmt zu und die krautigen Sträucher gleichen denen am Mittelmeer. Die Strassen werden grösser, der Verkehr nimmt zu, die Infrastruktur wird besser. Alles erinnert uns schon sehr an zu Hause und weniger an das Innere Afrikas. Der mythische Kontinent spiegelt sich am Äquator.

Der Weg ist das Ziel
Am Horizont erspähen wir im Dunst das Wahrzeichen von Kapstadt – den Tafelberg. Nur noch wenige Kilometer trennen uns von unserem Ziel. Nach 100 Tagen erreichen wir Kapstadt, ein Ziel vieler auf unserer Überlandreise von Kairo nach Kapstadt. Eine Reise durch endlose Weiten und auftürmende Berge, saftgrüne Wiesen und staubtrockenen Savannen, monsunartige Regengüsse und orkanartige Sandstürme, tropische Hitze und ungewohnte Kälte; Lehmhäuser und Betonbauten, Islam und Christentum, arm und reich, Moderne und Tradition – ein Kontinent mit vielen Gesichtern.

Hoffnung, unser stetiger Begleiter
Wir haben nie daran gezweifelt dass wir es nicht schaffen werden Afrika von Nord nach Süd zu durchqueren. Dementsprechend wollen wir unsere Ankunft am Kap der guten Hoffnung feiern. Die letzten wenigen Meter gehen wir zu Fuss und atmen die kühle Meeresluft tief ein. Was für ein Gefühl, am südwestlichsten Punkt des soeben durchquerten Kontinents zu stehen. Wir feiern ausgiebig die erfolgreiche Überlandreise des schwarzen Kontinents und lassen die Erlebnisse, Bekanntschaften, Eindrücke und Irritationen Revue passieren – die positiven Eindrücke überragen bei weitem die wenigen negativen. Eine über 18‘000 Kilometer langen Reise geht zu Ende, die für immer in unseren Köpfen gespeichert bleibt.