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Pesche Wüthrich

Mit fast 40 Jahren am Fels ist Pesche Wüthrich ein Aushängeschild des Sportkletterns, ein alter Hase dieser noch jungen Disziplin. Er ist eine Schweizer Kletterlegende und ein Best Ager des Bergsports. "Mit 30 Jahren hatte ich alles beim Klettern erreicht. Seit 18 Jahren geniesse ich den Sport als Zugabe, wie bei einem Rockkonzert".

Fasziniert beobachtete Pesche als kleiner Junge beim Wandern im Berner Oberland durchs Fernrohr die Bergsteiger. Einmal würde er selbst dort oben stehen, das wusste er damals schon. 1974 erklomm der zehnjährige Pesche mit seinen Eltern den Wildstrubel in den Berner Alpen, seine erste grosse Bergtour. Pesches Idol war Dölf Reist, der erste Schweizer auf dem Mount Everest. Fünf Jahre später entdeckte er ein Foto von "Midnight Lightning", dem berühmtesten Boulder der Welt im Yosemite Valley. Der Anblick, wie John Bacher, einer der Väter des modernen Sportkletterns, das seinerzeit schwierigste Kletterproblem löste, traf ihn wie ein Blitz. "Ich hängte meine Bergsteigerkarriere sofort an den Nagel und widmete meine ganze Energie dem Sportklettern. Bis heute."

Anfang der 1980er-Jahre: Das klassische Bergsteigen steckte in einer tiefen Krise, sämtliche Gipfel der Alpen waren längst bestiegen. "Das Direttissima-Bergsteigen, die vermeintlich letzte grosse Herausforderung, führte in eine Sackgasse", erinnerte sich Pesche. "Bergsteiger nagelten sich senkrecht und blind mit künstlichen Hilfsmitteln in direkter Linie zum Gipfel hinauf. Ohne auf natürliche Strukturen und Linien zu achten". Die 80er waren aber auch die Zeit des Erwachens junger und kreativer Sportarten wie Snowboarden, Windsurfen und Mountainbiken – und Sportklettern. Keine fünf Jahre waren vergangen, seit Reinhard Karl mit seiner Erstbegehung der Pumprisse im Wilden Kaiser die für Jahrzehnte gültige Schwierigkeitsskala gesprengt hatte. "Wir hatten keine Ahnung, wie schwer man klettern kann. Als ich begann, war der achte Grad das Maximum", bilanziert Pesche. Aber das Leistungsniveau explodierte. Jahr für Jahr wurden die Kletterrouten schwieriger, steiler härter – und Pesche mittendrin.

Neonfarbene Tights, pralle Muskeln, sonnige Felsen und die Suche nach immer schwierigeren Routen – Pesche war gebannt von der Kletterszene, die sich vom Bergsteigen vollends emanzipiert hatte. Widerwillig schloss er seine Lehre zum Tiefbauzeichner ab, heuerte bei einem Bergsportladen an und verbrachte fortan jede freie Minute am Fels. Die Metamorphose zum Kletterer vollzog sich schnell: "Ich habe wenig gearbeitet, nur so lange, bis das Geld reichte, um wieder für ein halbes Jahr loszuziehen." Das Leben am Rande der Berufsgesellschaft hatte weitreichende Konsequenzen, vor allem finanzieller Art. "Das Geld hat gerade für eine Einzimmerbude oder WG gereicht. Wenn ich drei Monate in Südfrankreich klettern war, habe ich am Schluss nur noch Salat gegessen, damit ich noch ein paar Tage länger bleiben konnte." Pesche lebte seinen Traum, reiste mit geringen finanziellen Ressourcen durch die Welt und kletterte: In Amerika, Australien, Spanien, Frankreich, Italien, Deutschland, Tschechien, Kroatien und natürlich in der Schweiz. "Bei uns sind die Voraussetzungen zum Klettern perfekt. Die Schweiz hat Möglichkeiten ohne Ende, in fast jeder Höhe und Gesteinsart vom Sandstein über Kalk und Nagelfluh bis zum Gneis und Granit."

Mit 28 Jahren erreichte Pesche seinen sportlichen Zenit und seine selbst gesteckten Ziele. Er meisterte zwei Routen im oberen zehnten Schwierigkeitsgrad. "Dann hatte ich das Gefühl, es reicht." Ausgepowert klinkte sich Pesche für ein Jahr komplett aus dem Klettern aus, widmete sich anderen Sportarten. "Danach habe ich mit frischem Kopf wieder angefangen." Mit Erfolg: Er fügte seinem Repertoire weitere Routen mit Höchstschwierigkeiten hinzu und selbst heute, mit fas 50 Jahren, klettert Pesche Routen, bei denen die meisten Kletterer nicht mal den ersten Haken erreichen würden. "Ich komme rasch eine Zehn minus hoch. Zehn plus kann ich mit Glück noch klettern, aber dann muss die Tour genau auf mich zugeschnitten sein."

Bis heute hat sich das Sportklettern gewaltig weiterentwickelt. "Die Kletterschuhe haben griffigere Gummis und Fussformen, die Gurten sind bequem und leicht. Seile sind heute sehr dünn, wir können 80-Meter-Touren klettern, ohne grosses Seilgewicht. Cams und Sicherungsgeräte haben sich verändert. Heute kann man Risse absichern, die in den 80ern überhaupt nicht gingen." Die Materialentwicklung trug zur Leistungsexplosion bei. Aber auch der Kletterstil hat sich verändert. "Früher kletterte ich statisch, hing manchmal fünf Minuten in einer Pose, stürzen war tabu. Heute springen Spitzenkletterer ihre Griffe dynamisch an. Sportklettern ist schneller und präziser geworden." Auch Pesche hat sein Bewegungsrepertoire erweitert. Aber das Topniveau ist ihm enteilt. Der Tscheche Adam Ondra kletterte 2012 als erster Mensch den zwölften Grad. "Das sind Welten zu meinem Level. Da mache ich keinen einzigen Move mehr."

Pesche hat einen würdevollen Abgang vom Leistungsklettern geschafft. "Wichtig war die psychische Vorbereitung, ich habe schnell akzeptiert, dass es Bessere gab." Die Passion blieb, neue Aufgaben warteten. Pesche führte 15 Jahre lang eine Kletterschule im Tessin und hat in der Schweiz mehr als 1'000 Kletterrouten mit Schlagbohrmaschine und Schraubhaken erschlossen. Von kurzen Sportkletterrouten bis zu 20-Seillängen-Touren, für Plaisirkletterer und Hardcore-Athleten. Vom dritten bis zum elften Grad. "Wenn mir die Route selbst zu schwer ist, rufe ich einen starken Kletterer an, der soll das dann machen."

Seit Eröffnung des Zürcher Flagship Stores im September 2012 arbeitet Pesche bei Transa. Er steht im Verkauf und koordiniert das Marketing der Bergsportabteilung. Bouldertreffs, Vorträge, Kletterwettkämpfe, Materialschulungen – Transa bietet Vertikalsportlern mehr als nur ein grosses Sortiment an Kletterhardware. Pesche arbeitet drei Tage die Woche. Während der restlichen Zeit kümmert er sich um seine beiden Töchter und nutzt die Freizeit zum Klettern und Routenbohren.

Pesche hat durch das Klettern mehr gewonnen als sportliche Erfolgserlebnisse und einen gestählten Körper. "Das Klettern hat mich als Mensch verändert. Als junger Mensch bist du immer auf der Suche. Durch das Klettern habe ich meinem Leben eine Richtung gegeben und mein Selbstbewusstsein gefunden." Der sportliche Aspekt des Kletterns war immer nur das letzte Glied in Pesches Lebensstil. "Ich habe interessante Menschen kennengelernt, die Welt bereist und die Natur schätzen gelernt. Auseinandersetzungen mit mir selbst, Extremsituationen, Freundschaften, Feindschaften – Klettern ist das pure Leben! Und wenn es mein Körper zulässt, werde ich auch mit 70 Jahren noch am Fels hängen."