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Stürmische Begeisterung

Mit einem historischen Zweimaster von Skitour zu Skitoure segeln: Die nächste Lesertour, organisiert von der Bergschule Höhenfieber, führt im April nach Island. Eine Gruppe von Transianer hat die Westfjorde vorab erkundet – begleitet von zwei Orkanen. Doch zum Glück war auch eine isländische Tugend mit an Bord: Improvisationskunst.

51 Meter pro Sekunde. Das sind 186 Stundenkilometer. Und es ist die höchste Windgeschwindigkeit, die jemals im Fischerstädtchen Ísafjörður gemessen wurde. Wann? Jetzt!

Gerade jetzt, da eine Gruppe von Transa Mitarbeitern und Freunden für Skitouren nach Island gekommen ist, fegt ein Rekord-Orkan über die Westfjorde hinweg. Braus. Aber richtig. Bei diesem Sturm ist leider
nicht daran zu denken, wie geplant zum Sail&Ski in die Gletscherfjorde
auszulaufen, den abgelegensten Teil der Westfjorde. Vielmehr hat die Crew des Segelschiffs alle Hände voll damit zu tun, den Zweimaster unbeschadet im Hafen vertaut zu halten.

Wir, die vorerst verhinderten Passagiere, übernachten nicht an Bord, sondern im Hotel Ísafjörður. Jürg, Chef der Alpinschule Höhenfieber und Organisator dieser Reise, wahrt den Humor: "Auf der Hütte geht der Bergführer zum Wecken rum. Aber wie macht man das im Hotel? Sollen wir eine WhatsApp-
Gruppe gründen?"

Leifur, unser isländischer Guide, erweist sich gleich am ersten Tag als Improvisationstalent. Er findet eine Skitour an der wohl einzigen windgeschützten Bergflanke von ganz Island. Danach entspannen wir uns in den «heitir pottar», den heissen Töpfen des örtlichen Schwimmbads. Im 38 Grad warmen Sprudelbecken erzählt ein Einheimischer, dass am Abend in Ísafjörður einer der bekanntesten Rockmusiker Islands auftreten wird. Dem Unwetter quasi zum Trotz. Also wagen wir uns nach dem Nachtessen vor die Hoteltür, kämpfen uns bis zum Kulturzentrum vor und lassen uns den stürmischen Sound von Mugison um die Ohren wehen. "Ohne den Orkan wären wir nicht in den Genuss dieses Konzerts gekommen", freut sich Saskia, die Marketingchefin von Transa, über das Überraschungsgeschenk von Plan B. Oder war es Plan C? Schwer zu sagen, wenn man so oft umdisponiert.

Die Ruhe zwischen den Stürmen
Auf einer Vulkaninsel knapp unterm Polarkreis nehmen die Naturgewalten traditionell wenig Rücksicht auf menschliche Vorhaben und Zeitpläne. Dem begegnen die Nachfahren der Wikinger mit geradezu südländischer Gelassenheit. Und mit unerschütterlicher Zuversicht. Das inoffizielle Lebensmotto der 330'000 Isländer lautet: "Þetta reddast". Wird schon klappen. Neuer Tag, neuer Anlauf zu einer Skitour. Ein Schönwetterfenster ist prognostiziert. "Braucht jemand Plastiksäcke, um das Gepäck wasserdicht im Rucksack zu verstauen?", fragt Jürg beim Zmorge. "Sind das Drei-Lagen-Müllsäcke?", scherzt einer aus der Gruppe und präsentiert seinen federleichten Sea-to-Summit-Packsack. In Sachen Ausrüstung macht den Transianern keiner was vor. Myriam, stellvertretende Filialleiterin aus Zürich, schenkt Leifur ihre Island-Tourenkarte, die sie bei Transa Books besorgt hatte. Genau diese Karte hatte er vergeblich in Reykjavík gesucht.

Megagutes Skigelände
Leifur fährt die fröhliche Meute mit dem spontan gemieteten Bus ins Nachbartal. Als sich die Gletscher der Eiszeit zurückzogen, hinterliessen sie im Nordwesten Islands Täler und Meeresarme mit gleichmässig abgeschabten Bergflanken: Voilà, die Westfjorde. "Das Gelände ist megaguet zum Skitourengehen", staunt Imke. "Nicht zu steil, nicht zu flach. Und es gibt unzählige Möglichkeiten dank der weiten und baumfreien Hänge." Als wir knapp 600 Höhenmeter dieses Geländes erklommen haben, schliesst sich das Schönwetterfenster. Whiteout. Also Plan C: Abfahrt und wieder ins Schwimmbad. Das Nachtessen nehmen wir im Hafen auf unserem Schiff ein. Köchin Guðny tischt unfassbar zarte Lammhaxen auf. Wäre da nur nicht die Schräglage des Schiffs! Der wiedererstarkte Wind fährt mit solcher Wucht in die Takelage, dass die Teller auf dem Tisch verrutschen. "Lasst uns den Schwerpunkt der Weinflaschen tiefer legen!", gibt Jürg als Devise aus – und verteilt den Syrah. Wir müssen über unseren Dekadenz-Anflug lachen. Spielte nicht auf der Titanic die Kapelle bis zum bitteren Ende? Umso erleichterter
sind wir, nach dem Dessert wieder festen Boden unter den Füssen zu spüren. Das Hotel als sicherer Hafen.

Am dritten Tag ist der Orkan endlich abgezogen, die "Donna Wood" kann auslaufen. Der 1918 in Dänemark aus Eichenholz gebaute Zweimaster diente zunächst als Leuchtschiff. 1990 wurde er zum Expeditionsschiff umgebaut, mit Zweierkabinen, Zentralheizung und heissen Duschen. Bis zu vier Meter hoch bauen sich die Wellen auf bei der zweistündigen Überfahrt in die Gletscherfjorde. Dem Schiff können sie nichts anhaben. Wohl aber manchem Schweizer Magen... Wie scherzte Kapitän Alfreð doch bei der Einweisung für
kleinere und grössere Notfälle: "Bitte nicht zu weit über die Reling hängen! Und immer die Windrichtung beachten!" Wie eine blaue Hand erstrecken sich die Gletscherfjorde in das nun schneeweisse Naturreservat Hornstrandir. Einst gab es hier eine Walfabrik, in der vor allem Lampenöl hergestellt wurde. Einige Familien lebten in entlegenen Höfen von dem, was das karge Land und die raue See hergaben: Fisch, Milch, Lamm, Vogeleier... Als Ende der 1950er-Jahre die Heringsschwärme ausblieben, verliessen die Menschen diesen äussersten Teil der Westfjorde, das heutige Naturreservat Hornstrandir. Und während heutzutage manche Gegenden Islands von Skitourengehern und Heliskiern fast schon überrannt werden, treffen Wintersportler hier keine Menschenseele. Elfen hingegen soll es umso zahlreicher geben...

Windstille, hurra!
Gerade haben wir Guðnys fantastisches Fischmenü (mit Bacalao auf isländische Art) verspeist, da ruft jemand vom Aussendeck: "Polarlichter!" Grün flackert der Himmel. Die irisierenden Schlieren dehnen sich aus und ziehen sich zusammen. Manch einer macht innerlich einen Haken an seiner Bucketlist für diesen Islandtrip. In dieser Nacht läuft wirklich alles nach Plan A. Windstille, hurra! Dafür tröpfelt es leicht, als wir am nächsten Morgen mit dem Schlauchboot zu unserer ersten Skitour in den Gletscherfjorden an Land gebracht werden. Es war ein sehr schneereicher Winter in Island, mit einem sehr stabilen Schneedeckenaufbau. Bis auf 300 Meter über dem Meer liegt vereinzelt Seetang auf dem Harschdeckel, heraufgeweht vom Orkan. "Eigentlich sollten wir rückwärtsgehen, weil die Aussicht hinter uns so schön ist", meint Karin. Auf dem 644 Meter hohen Bæjardalsfjall reissen alle glücklich die Hände in die Höhe – der erste Gipfel! Wenn jetzt auch noch die Wolkendecke aufreissen würde...

Von anhaltendem Sonnenschein kann die Transa Truppe heute nur träumen. Dafür kommt sie am Nachmittag in den Genuss eines Regenbogens auf Skitour. "Das ist doch mal was Neues", sagt Karin amüsiert. Das Glas ist eben immer halb voll. Während wir mehrere Hügelketten überwinden und 1500 Höhenmeter sammeln, schippert Alfreð die Donna Wood aussen herum in den nächsten Fjord. Am letzten Gipfel des Tages umarmen sich alle freudestrahlend, trotz des einsetzenden Nieselregens. Welche Magie liegt bloss in dieser Landschaft? Dass sie Menschen trotz widriger Umstände derart glücklich macht? Und dann reisst der Himmel tatsächlich kurz auf. Ein Sonnenstrahl trifft unser Segelboot, das tief unten im Fjord auf uns wartet. Nach der überraschend guten Firnabfahrt sammeln wir am Strand Miesmuscheln – wobei uns einer von Jürgs Müllsäcken gute Dienste leistet. Guðny bereitet die Muscheln noch am selben Abend zu. Dazu ein Gläschen Chablis. Es gibt also überhaupt keinen Grund für eine Meuterei auf der "Donna Wood". Noch ein paar Runden Jassen, dann fallen alle müde in die Kojen. "Ich hab mich schon so an das leichte Schaukeln gewöhnt", sagt Gabi. "Das wird mir zu Hause im Bett fehlen." Plan A für den nächsten Tag lautet: Anlanden und eine Skitour zum benachbarten Rabenfjord unternehmen. Allerdings: Schon morgens weht der Wind mit sieben Beaufort aus Südwest. Die Wellen sind zu hoch, als dass wir mit dem Dingi übersetzen könnten. Alfreð versucht – als Plan B – im Rabenfjord selbst anzulegen. Keine Chance.

Beim Thor! Oder wer auch immer hier fürs Wetter verantwortlich ist... Team Transa muss sich erneut von Plan A und B verabschieden. Alfreð hat beschlossen, noch am selben Tag zurück in den Hafen von Ísafjörður zu fahren, denn der Wind soll über Nacht abermals zulegen. Dann eben Plan C: Legendenstunde. Denn auf der Rückfahrt passieren wir das einsame Grab von Fjalla-Eyvindur. Als "Eyvindur aus den Bergen" im 18. Jahrhundert wegen Diebstahls verurteilt wurde, floh er ins menschenfeindliche Hochland. 20 Jahre lang schlug er sich dort durch, teils in Gesellschaft seiner Frau. Schliesslich wurden sie begnadigt und durften am Rabenfjord den Lebensabend verbringen. Heute geniesst der berüchtigte Outlaw in Island das Ansehen eines Volkshelden.

Und während die "Donna Wood" gegen die Wellen stampft, machen wir mit Plan D weiter: Heiteres Tiereraten mit Leifur. Viele Vogelarten wie etwa die Papageitaucher sind noch im Süden. Aber wir sehen Eissturmvögel, Eismöwen, Lummen, Mantelmöwen und jede Menge Eiderenten. "Deren Daunen werden hier geerntet und als Füllmaterial etwa für Duvets verkauft", erklärt unser Guide. Auch der ein oder andere Seehund steckt neugierig seinen runden Kopf aus dem Wasser. Leider entdecken wir in der unruhigen See keine Wale. "Berühmt sind die Westfjorde auch für ihre grosse Polarfuchspopulation", ergänzt Leifur. Der 50-Jährige ist nicht nur einer der erfahrensten Bergführer Islands. Leifur war auch mehrfach an beiden Polen und hat die Seven Summits bestiegen. "Island ist ein raues Pflaster. Wer die
hiesigen Verhältnisse gewohnt ist, den kann nichts mehr schrecken", sagt er schmunzelnd und fast ein bisschen entschuldigend. Gabi aber sieht es positiv: "Bei uns zu Hause ist immer alles strukturiert. Hier kann man sich auf nichts festlegen. Diese Erfahrung empfinde ich als sehr gesund. Und wir haben viel gelacht, oder? Also, ich würde wiederkommen nach Island!"