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Winterzelten

Übernachten in eisiger Kälte ist für den Outdoor-Begeisterten eine besondere Herausforderung. Denn die Ansprüche an Ausrüstung und Standort liegen um einiges höher als im Sommer. Wer die Grundlagen für Winterzelten kennt, dessen Zelt hält jedem Schneesturm stand.

Das perfekte Winterzelt ist gross, hat eine (oder sogar zwei) grosse Apside, besitzt zwei Eingänge, im Innenzelt lässt es sich überall bequem sitzen, benötigt nur eine Person zum aufbauen, wiegt weniger als 2 kg und ist hochreissfest. Zudem ist es sehr klein verpackbar – und existiert leider nicht. Eins ist klar: Kälte und schlechtes Wetter fordert dich und deine Ausrüstung mehr als im Sommer. Doch es gibt viele praktische Tricks, die das Leben im Schnee angenehm machen.

+Zelt-Anforderungen

Anforderungen an das Zelt

Innen- und Aussenzelt
Das Innenzelt sollte schneedicht sein, Moskitonetzflächen müssen mit einem dichteren Innenzeltstoff verschlossen werden. Damit kein Schnee zwischen Innen- und Aussenzelt gelangt, sollte das Aussenzelt bis an den Boden reichen. Das verlangt aber eine gute Belüftung im oberen Zeltbereich, die idealerweise auch reguliert werden kann.

Gestänge
Schneelast drückt mit grosser Kraft auf die Zeltfläche. Diese Kraft muss durch das Gestänge und die Abspannung zum Boden abgeleitet werden. Entweder braucht es viele, sich möglichst mehrfach
kreuzende Stangen (geodätische Konstruktion). Oder gute Abspannmöglichkeiten, die am richtigen Ort angebracht sind.

Platz
Im Winter benötigst du sehr viel mehr Platz als im Sommer. Schlafsack und Kleider sind voluminöser,
deshalb wählst du besser ein etwas grösseres Zelt. Ist dieses für drei Personen im Sommer gedacht, so haben im Winter gerade mal zwei Personen darin Platz. Ebenso lohnt sich eine grosse Apside (Seitenzelt) zum Kochen und zur Gepäckablage.

+Aufbau des Zeltes

Aufbauen des Zeltes

Abspannen
Je nach Schnee dauert das Verspannen des Zeltes mehr oder weniger lang. Bei hartem Schnee können Heringe fast wie in weichen Böden verwendet werden. Als Schneeanker bei weichem Schnee dienen Skis, Stöcke, Schneeschuhe, Äste, Steine, lange, breite Heringe, mit Schnee gefüllte Packsäcke usw. Diese sollten 20 bis 50 cm tief vergraben sein und gut festgedrückt werden.

Liegt wenig Schnee, trägst du diesen im Bereich der Abspannpunkte bis auf den Boden ab und verwendest Heringe für harte Böden. Am besten verlängerst du alle Abspannpunkte. So kannst du den Anker bis zu einen Meter weg vom Zelt, bzw. die Schnur auch um grössere Gegenstände wie Steine oder ein Busch legen. Genau wie im Sommer wird das Zelt über Nacht feucht, wodurch sich die Materialien ausdehnen. Es kann also sein, dass du des Nachts in den kalten Apfel beissen musst, um die Leinen nachzuspannen.

Stellplatz
Am besten ist ein möglichst windgeschützter Ort. Zudem erleichtert frühe Sonne am Morgen das Aufstehen. Richte das Zelt längs zur Windrichtung. Um starkem Wind weniger Angriffsfläche zu geben, kannst du das Zelt teilweise eingraben. Diese erhöht – besonders bei Tunnelzelten – die seitliche Stabilität. Tiefer als die halbe Zelthöhe sollte es jedoch nicht eingegraben werden, da die Lüftungen, Eingänge oder das ganze Zelt zuschneien können. In Senken solltest du es nicht zu tief eingraben, da das Zelt vom Triebschnee besonders leicht zugedeckt werden kann. 

Bei besonders starkem Wind hilft ein Schneewall gegen Wind (aus Blöcken oder durch Aufschaufeln). Ein Zelt mit verschiedenen Eingängen ist von Vorteil, da der eine Eingang eventuell zugeschneit und der andere noch frei ist. Die Schneeschaufel gehört mit ins Zelt, damit du am Morgen den Schnee nötigenfalls wegschaufeln kannst.

Apside
Wenn das Zelt steht und genügend Schnee liegt, kannst du die Apside vergrössern, indem du einen Graben gräbst, so sitzt du im Innenzelt bequem wie auf einem Stuhl. Zudem dient der Graben als Kälte- und Kohlenmonoxid-Falle. Die schwere, kalte Luft, bzw. das schwere CO sinken in diesen Graben. Damit ist eine Küche leicht «gemauert» und Schnee zum Schmelzen greifbar nah.

+Schlafsack & Isomatte

Schlafsack und Isomatte für den Winter

Schlafsack
Natürlich muss der Schlafsack im Winter wärmer sein, als im Sommer. Du kannst aber auch zwei dünnere Schlafsäcke ineinander stecken, um mehr Isolation zu kreieren. Vorausgesetzt, der Äussere ist weit genug gebaut, so dass der Innere (mit seiner isolierenden Schicht) nicht zu sehr zusammendrückt wird. Eine andere Möglichkeit ist, einen leichten Biwaksack zu verwenden. Ein Seiden-Inlet erhöht die Wärmeleistung deines Schlafsacks um 2° bis 3° Grad, ein Fleece-Inlet um 5° bis 8° Grad.

Ein grosses Thema ist jeweils die Füllart – Daune oder Kunstfaser?
Daune ist bei gleicher Isolationsleistung wesentlich kleiner komprimierbar und leichter als Kunstfaserfüllungen. In einem Kunstfaserschlafsack für den Winter werden schnell einmal 1500 Gramm Füllung verbaut. Dies ist mehr Gewicht als ein kompletter, hochwertiger Winter-Daunenschlafsack. Der grosse Vorteil der Kunstfaser liegt darin, dass sie weniger unter Feuchtigkeitseinflüssen leidet. In feuchtem Zustand verliert sie weniger Isolationsfähigkeit als Daune. Dies ist vor allem bei längeren Trips in Betracht zu ziehen.

Für längere Abenteuer lohnt sich auch ein VBL (vapour barrier liner): Ein wasser- und dampfundurchlässiges Inlet. Darin liegst du zwar im eigenen «Saft», aber dafür wird die Daune von innen nicht feucht und behält ihre Isolationsfähigkeit. Schutz vor Feuchtigkeit bieten ebenso Schlafsäcke mit wasserfester Aussenhülle oder ein zusätzlicher Biwaksack.

Isomatte
Die Matte sollte dick genug sein und einen genügend hohen R-Wert (Isolationswert) aufweisen. Am besten ist ein Wert über 3.5. Du kannst auch eine separate Festschaumstoffmatte mitnehmen – oder als Komfortlösung die Doublemat Evazote von Exped. Diese bietet dir auch eine zusätzliche Sicherheit, falls die aufblasbare Matte ein Loch hat. Denn der beste Schlafsack ist nur so warm, wie die darunterliegende Isomatte.