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Sicherungsgerät fürs Klettern kaufen: Das musst du wissen

Welches Sicherungsgerät eignet sich für Anfänger:innen? Was gibt es bei der Seildicke zu berücksichtigen und wie lange hält ein Sicherungsgerät? Hier findest du die wichtigsten Informationen zu Sicherungsgeräten beim Klettern.

Dieser Beitrag hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzt keine Grundausbildung.

Klettern und Sichern – die wichtigsten Begriffe

Klettern und Sichern – die wichtigsten Begriffe

  • Führungsseil: Seil, das von der sichernden Person aus zur Kletternden verläuft.

  • Sicherungsseil: Seilende beziehungsweise Seil, das durchs Sicherungsgerät zum Boden verläuft.

  • Bremshand: Hand, die das Sicherungsseil hält.

  • Führungshand: Hand, die das Führungsseil hält.

  • Gerätelinie: gedachte horizontale Linie auf Höhe des Sicherungsgeräts, wenn dieses unter Belastung steht. Sie ist eine grundlegende Sicherheitsregel beim Klettern: Die Bremshand darf sich zu keinem Zeitpunkt oberhalb dieser Linie befinden, um die volle Bremswirkung zu garantieren.

Verschiedene Systeme von Sicherungsgeräten

Verschiedene Systeme von Sicherungsgeräten

Das Sicherungsgerät sorgt beim Klettern dafür, dass wenn die kletternde Person stürzt, die sichernde mithilfe des Geräts den Sturz abfangen kann. Sicherungsgeräte unterscheidet man in vier Kategorien: Tuber, unterstützter Tuber (Autotuber), Halbautomat und Halbmastwurf. Sie unterscheiden sich vor allem in der Handhabung. Insbesondere für Anfänger:innen empfiehlt sich ein einfaches Sicherungsgerät. Folgend findest du eine Übersicht zu den Eigenschaften der verschiedenen Sicherungsgeräte.

Tuber

Blockierfunktion: Nein, das heisst: Bei falscher Handhabung kann das Seil beim Sturz ungebremst durchrutschen.

Einsatzbereich: vor allem beim Alpinklettern zum Nachsichern oder als Abseilgerät

Vorteil: Das Seil kann schnell und einfach ausgegeben und eingenommen werden, weil es kaum Reibung im Gerät gibt. Ist zudem vergleichsweise günstig und leicht.

Nachteil: Die Bremshand muss sich immer unter der Gerätelinie befinden (mindestens 90 Grad zum Führungsseil), damit es bremsend wirkt. Je nach Seildurchmesser benötigt die sichernde Person bei einem Sturz viel Haltekraft.

Zusätzliches: Leicht und vielseitig einsetzbar, beispielsweise auch als Abseilgerät. Aber: Sind in machen Kletterhallen verboten, weil sie eine tiefe Fehlertoleranz bieten.

Mögliche Produkte: Petzl Reverso, Blackdiamond ATC Guide oder ATC Alpine, Wildcountry pro guide lite, DMM Pivot

Unterstützte Tuber (Autotuber)

Blockierfunktion: Im Vergleich zum Tuber haben unterstützte Tuber einen Mechanismus, der das Seil bei einem Sturz blockieren sollte. Trotzdem muss das Bremsseil immer festgehalten werden und darf nicht über der Gerätelinie verlaufen.

Einsatzbereich: Kletterhalle, Klettergarten, Mehrseillängen

Vorteile: seilschonend und vergleichsweise einfach zu bedienen

Nachteile: Die Bremshand muss unterhalb des Sicherungsgerät liegen (Gerätelinie), damit dieses blockieren kann. Anders als beim Tuber bremst ein Autotuber aber schon ab einem Winkel von 10 Grad zwischen Führungs- und Bremsseil. Wichtig: Der Karabiner muss zum Gerät passen.

Mögliche Produkte: Camp Click up, Mammut smart, Edelrid Gigajul oder Megajul

Halbautomat

Blockierfunktion: Ja, und zwar sogenannt karabinerunabhängig. Das heisst: Der Karabiner hat nichts mit dem Abbremsen oder Blockieren des Seils zu tun. Er verbindet lediglich das Sicherungsgerät mit dem Klettergurt.

Einsatzbereich: Kletterhalle, Klettergarten

Vorteil: Verzeihen Unaufmerksamkeit der sichernden Person am ehesten, weil sie automatisch blockieren – trotzdem aufmerksam bleiben beim Klettern. Halbautomate brauchen zudem kaum Handkraft, weil der Mechanismus automatisch blockiert – das Sicherungsseil muss trotzdem immer festgehalten werden.

Nachteil: Nicht alle Geräte können von Linkshänder:innen bedient werden. Zudem muss das schnelle Seilausgeben im Vorstieg geübt werden.

Zusätzliches: Auf den Geräten ist eingraviert, wie das Seil eingelegt werden muss. Wenn dies korrekt gemacht wird, blockiert das Sicherungsgerät bei einem Sturz automatisch. Deshalb eignet sich ein Halbautomat besonders für Anfänger:innen.

Mögliche Produkte: Petzl Grigri+, Grigri, Edelrid Pinch

Halbmastwurf

Blockierfunktion: Nein, der Halbmastwurfknoten läuft durch einen HMS-Karabiner und erzeugt dadurch lediglich Bremskraft.

Einsatzbereich: Alpinklettern, Mehrseillängen

Vorteil: wenig Material, Karabiner ist vielseitig einsetzbar

Nachteil: HMS-Karabiner zur Sicherung sind in machen Kletterhallen verboten, weil sie eine tiefe Fehlertoleranz bieten.

Vollautomatische Sicherungsgeräte (Toppas) beim Klettern

Blockierfunktion: Nein, sie bremsen den Sturz ab.

Einsatzbereich: fest installiert in Hallen

Vorteil: Klettern ist ohne Partner:in möglich, sehr sicheres System

Nachteil: Weil man allein klettert, ist ein Partnercheck nicht möglich. Deshalb unbedingt prüfen, ob der Karabiner richtig eingehängt und verriegelt ist.

Fürs Klettern in der Halle und Klettergärten empfehlen sich unterstützte Tuber (Autotuber) und Halbautomaten oder Geräte mit Notblockiersystem. Sie bieten die grösste Sicherheit und verzeihen Fehler in der Anwendung am ehesten. Unabhängig des Sicherungsgeräts ist es wichtig, den Umgang damit gut zu üben, am besten bei einem Kurs oder von einer Person mit viel Klettererfahrung. Bei allen Systemen ist die häufigste Unfallursache menschliches Versagen, nicht die Ausrüstung. Deshalb: Bevor du mit einem Gerät sicherst, musst du dieses so gut kennen, dass du auch in Stresssituationen weisst, wie es funktioniert.

Häufige Fehler beim Sichern

Häufige Fehler beim Sichern

Sichere nur mit Sicherungsgeräten, die du kennst und die dir vertraut sind. Das kann auch bedeuten, dass du mit einem anderen Gerät sicherst als dich dein:e Partner:in sichert.

Bei Tubern und Autotubern muss der Karabiner zum Sicherungsgerät passen. Am besten sind solche, die sich nicht verdrehen, also unten mit einem Schnapper verhindern, dass der Karabiner quer belastet wird.

Die sichernde Person darf unter keinen Umständen in der Falllinie der Kletternden stehen. Ansonsten kann es passieren, dass die stürzende Person auf die Sichernde fällt.

Gewichtsunterschied sichernde Person und Kletter:in – das gilt es zu beachten

Gewichtsunterschied sichernde Person und Kletter:in – das gilt es zu beachten

Unabhängig des Sicherungsgeräts spielt das Gewicht beziehungsweise der Gewichtsunterschied von kletternder und sichernder Person eine grosse Rolle. Ein Gewichtsunterschied kann die Sicherheit für beide Personen stark beeinträchtigen: Wenn die sichernde Person leichter ist, wird sie bei einem Sturz hochgezogen. Und wenn die sichernde Person viel schwerer ist, federt sie Stürze möglicherweise kaum ab und die kletternde Person fällt hart ins Seil, was sehr schmerzhaft sein kann.

Folgende Richtwerte helfen zum Einschätzen: Im Vorstieg sollte die kletternde Person nicht mehr als das 1,3- bis 1,5-fache der sichernden Person wiegen. Bei erfahrenen Kletter:innen ist ein etwas grösserer Gewichtsunterschied ok.

Folgende Tipps helfen, wenn dein:e Kletterpartner:in und du einen grossen Gewichtsunterschied habt:

  • In der Halle kann man mit einem kleinen Trick die Reibung erhöhen: Hängt das Sicherungsseil zuerst in die erste Exe der Route nebenan und dann in die erste Exe der eigentlichen Route – das Seil liegt im rechten Winkel beziehungsweise L-förmig. Diese Umlenkung ermöglicht leichteren Personen das Sichern von schwereren Kletterern. Nachteil: Die Nachbarroute ist blockiert.

  • Sogenannte Reibungserhöher tun genau das, was ihr Name vermuten lässt: Sie erhöhen die Reibung. Bekannt sind beispielsweise das Ohm und Ohmega von Edelrid. Man befestigt sie an der ersten Exe. Bei einem Sturz bremsen sie das Seil zusätzlich ab und die sichernde Person bekommt nicht die volle Energie ab.

  • Was häufig ausser Acht gelassen wird: Wenn eine schwerere Person eine viel leichtere Person sichert, kann es für die kletternde Person unangenehm sein, wenn sie bei einem Sturz hart aufgefangen wird. Umso wichtiger ist, dass sie dynamisch gesichert wird, das reduziert den Fangstoss.

Partnercheck beim Klettern

Partnercheck beim Klettern

Unabhängig des Sicherungsgeräts ist der Partnercheck essenziell für sicheres Klettern. Vieles verläuft mit der Zeit routiniert, dennoch können wichtige Sicherheitsaspekte vergessen gehen – vielleicht ist man gerade in ein spannendes Gespräch vertieft, von der schönen Landschaft abgelenkt oder mit den Gedanken irgendwo anders. Führe den Partnercheck deshalb immer durch, auch wenn du schon etwas Routine hast – besser einmal zu viel prüfen als einmal zu wenig. Und: Kontrolliert gegenseitig mit Augen und Händen, nehmt also beispielsweise den Anseilknoten in die Hand und prüft ihn genau.

So funktioniert der Partnercheck:

  • Anseilen: Knoten, Anseilpunkt, Zugtest

  • Gurt: festsitzend, Verschlüsse zurückgeschlauft

  • Karabiner: gesichert, passend zu Seil und Sicherungsgerät

  • Sicherungsgerät: Blockiertest (mit einem schnellen, gezielten Zug am Seil den Mechanismus prüfen)

  • Seil: Knoten im Ende des Sicherungsseils

  • Gewichtsunterschied: Massnahmen festlegen

  • Systemcheck Toperope: Umlenkung, richtiges Seilende

Seildicke und Sicherungsgerät

Seildicke und Sicherungsgerät

Jedes Sicherungsgerät funktioniert nur zuverlässig mit bestimmten Seildicken. Diese sind meistens auf dem Gerät eingraviert oder sonst in der Produktbeschreibung aufgeführt. In Kletterhallen werden für Toprope-Routen Seile benutzt, die auf handelsüblichen Sicherungsgeräte passen. Wenn du für den Vorstieg oder fürs Klettern draussen selbst ein Seil kaufst, achte unbedingt auf die Angaben auf deinem Sicherungsgerät.

Dynamisch Sichern beim Klettern

Dynamisch Sichern beim Klettern

Beim dynamischen Sichern bremst die sichernde Person die stürzende sanft ab. Der Fall wird so abgefedert und nicht abrupt gebremst. Das beugt Verletzungen bei einem Sturz vor. Wenn die sichernde Person leichter ist als die fallende, passiert das meistens automatisch, weil die Person am Boden an die Wand gezogen wird. Durch einen Ausfallschritt gelangt dann mehr Seil zur fallenden Person, was den Sturz dynamisch abbremst.

Ist die sichernde Person gleich schwer oder schwerer als die kletternde, muss dieser Ausfallschritt bewusst gegangen werden, damit der Sturz nicht hart abgebremst wird. Das verkleinert die Stossbelastung auf die kletternde Person und die Sicherungspunkte.

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