Jemand hält eine Sportbrille von Gloryfy in die Kamera.

Produktberatung

Sportbrille von Gloryfy: Dauerhaft sehenswert

Portraitbild Michael Neumann, Autor
Michael
Redaktor, 4-Seasons
© Fotos

Der Preis für nahezu unzerstörbare Sportbrillen geht an Gloryfy im Tiroler Zillertal, wo ein hochmotiviertes Team mit viel Herzblut das scheinbar Unmögliche möglich gemacht hat.

Ortstermin. Schlitters im Vorderen Zillertal. Zwischen Souvenir Linda, der Zillertaler Trachtenwelt und der Bergkäserei würde man ja so einiges vermuten. Einen Landmaschinenhandel vielleicht? Genau der befand sich tatsächlich in dem Gebäude in Ortsmitte, an dem nun ein anderes Markenlogo prangt: Gloryfy. Nach Jahren des Wachstums und des permanenten Pendelns zwischen drei verschiedenen Standorten im grössten Tiroler Seitental des Inns ist man in Schlitters angekommen. Von aussen kündet jedoch keinerlei Bling-Bling von der Hochtechnologie, die einen drinnen auf mehreren Stockwerken erwartet. Doch schon der Empfang und die Gemeinschaftsräume, wo mich Max Egger, der Sohn des Firmengründers, empfängt, norden ein. Man wähnt sich eher in einem Berliner Loft als in einer Industriehalle, in der einst Melkmaschinen verkauft wurden. Hinter gläsernen Bürofassaden wuseln junge Mitarbeitende geschäftig, aber keinesfalls hektisch vor sich hin. Sofort wird klar: Hier logiert ein junges Start-up, dessen derzeit 42 Beschäftigte alle für ihre Mission und ihre Produkte brennen.

Begonnen hat das Märchen vom Brillen-David, der sich gegen Konzern-Goliaths wie Oakley, Smith und Uvex behaupten muss, 2004. Da experimentiert der Zillertaler Christoph Egger – nach Lehre, Abend-Matura und BWL-Studium auf der Suche nach einer Berufung – mit Brillengestellen herum, die «unbreakable», also unzerstörbar, sein sollen. Zu oft hatte er sich beim Autofahren auf seine in der Hosentasche vergessene Sonnenbrille gesetzt oder sich geärgert, wenn diese beim Sport von der Nase fiel und danach entzwei war. Finaler Auslöser war jedoch der Sportunfall eines Freundes, der durch einezersplitternde Brille eine Augenverletzung davontrug. Während die meisten Hersteller auf kostengünstigen, aber spröden Kunststoff setzen, der in eine Form gespritzt wird, sieht Egger seine Chance in einem flexiblen, im Gussverfahren hergestellten Kunststoff. Doch es dauert etliche Jahre, benötigt viele hundert Prototypen und kostet einiges an Nerven, bis schliesslich 2011 die erste Gloryfy-Brille die Serienreife erlangt.

Brillen von Gloryfy

NBFX nennt Egger seinen Spezialkunststoff, über dessen Zusammensetzung er sich allerdings ausschweigt. Auf die chemische Zusammensetzung kann man aufgrund der Buchstabenkürzel auch nicht schliessen, denn NBFX steht für «Non Breaking Flex Polymer». Alles sei zudem akribisch patentiert, so Eggers Sohn Max, der mich durch die Firma führt, kopieren zwecklos. Auch er scheint unzerstörbar zu sein, wie das Tattoo des Firmenclaims auf seinem Unterarm verkündet.

Der besonders leichte sowie unzerbrechliche und dadurch Airbag-sichere Kunststoff, der auch nach starker Verformung immer wieder in die Ausgangslage zurückfindet, kommt auch bei den Gläsern zum Einsatz. Hier punktet Gloryfy zudem mit einem sehr guten «Abbe-Wert» von 45. Die Abbe-Zahl dient der Charakterisierung der Eigenschaften optischer Gläser und wurde nach dem Physiker Ernst Abbe benannt. Grob gesagt gilt: je höher die Zahl, desto besser der Durchblick. Exakter: Die Zahl kennzeichnet die Dispersionseigenschaften eines Brillenglasmaterials. Mit Dispersion sind störende Farbsäume gemeint, die entstehen, wenn Licht auf Glas trifft. Das Licht wird hierbei gebrochen und in seine Spektralfarben zerlegt, was zu einer mehr oder weniger störenden Farbzerstreuung führt.

Zudem bietet die patentierte Inclinox-Technologie die Möglichkeit, jederzeit selbst die Bügel anzupassen und so den Halt an die eigenen Bedürfnisse anzupassen – fester Halt beim Aktivsein, lockerer Halt beim Entspannen.

Max Egger und Christoph Egger (v. l.) im Gespräch.

Christoph Egger (re.) gründete Gloryfy, sein Sohn Max (li.) arbeitet als Co-CEO ebenfalls im Unternehmen.

Foto © Sabine Schneider

Nachdem mir Max im Showroom ein paar Hintergründe zur Firmenhistorie verraten hat, geht es in die heiligen Hallen der Produktion. Restricted Area – Fotografieren verboten. Denn bis auf das Lackieren, welches in Italien stattfindet, wird jede Gloryfy-Brille von A bis Z im Zillertal hergestellt – und damit dies auch noch lange so bleibt, möchte man dieses Know-how gern vor neugierigen Blicken schützen. Herzstück der Produktion sind gewaltige CNC-Fräsen, die in wenigen Minuten aus zwei verschiedenen Grundformen weit über 100 verschiedene Modelle fertigen. Im Anschluss folgen – im wahrsten Sinne des Wortes – der Feinschliff, Montage, Qualitätskontrolle, Verpackung und Versand. Und falls ein Käufer oder eine Käuferin doch mal unzufrieden mit einer Brille ist und die Service-Hotline anruft, klingelt das Telefon ebenfalls in Schlitters.

Aktuell eilt man mit dieser Made-in-Austria-Offensive von Umsatzrekord zu Umsatzrekord. Davon künden auch die zahlreichen Stellenanzeigen auf den Plakatwänden der Region. Mitarbeitende für CAD-Programmierung (rechnerunterstütztes Konstruieren) und Produktion gesucht. Ein weiteres Argument für den Standort Österreich ist die Lage inmitten der Tiroler Bergwelt. Teile des Gloryfy-Athletenteams wie Sportkletter-Weltmeister Jakob Schubert, Trailrunner Markus Kröll und Bergsteigerlegende Peter Habeler wohnen in unmittelbarer Nähe und so können Produkttests zeitnah passieren und Resultate kurzfristig umgesetzt werden.

Christoph Egger bringt es auf den Punkt: «Wir wollen den Menschen ein maximal gutes Gefühl geben. Das Produkt, das sie so nahe an ihrem Sehorgan tragen, darf kein kurzlebiges Wegwerfprodukt sein. Es soll vielmehr etwas sein, auf das man sich ein Leben lang verlassen kann.»

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