Eine Frau und ein Mann in Jacken von Montane, sie stehen im Dunkeln, tragen eine Stirnlampe.

Produktberatung

Hersteller Montane: Gestartet in einer Garage

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Sissi
Autorin, 4-Seasons
© Fotos

Die englische Marke Montane tritt seit jeher leise auf. Die Produkte sollen für sich sprechen. So wie die Jacke, die einmal ein Zelt war und alles ins Rollen brachte … Ein Portrait.

Es hat ein paar Jahre gedauert, vier um genau zu sein. «Und ein paar gemeinsame Abenteuer – und womöglich auch ein paar gemeinsame Bier», meint Matt Hickman, Marketingmanager bei Montane. Die erste Jacke der englischen Marke entwarf Chris Roff nämlich bereits 1989. Gegründet hat er Montane jedoch erst im Jahr 1993.

Chris stammt aus dem Nordosten Englands und wird mit einem ausgeprägten Entdeckerdrang geboren. 1989 macht er sich auf nach Chile, um den damals noch unkartierten Rio Pangal zu erkunden. Auf der dreimonatigen Expedition trifft er seinen Landsmann Jake Doxat. Der deutet auf die Jacke von Chris und witzelt: «Schaut aus, als würdest du ein Zelt tragen.» Chris nickt nur: «Tu ich auch.»

Zu Hause in Northumberland hatte Chris einfach nicht die passende Ausrüstung gefunden. Leichte, strapazierfähige Zelte gab es, Bekleidung jedoch nicht. Was tun? Der 24-Jährige zerlegt kurzerhand das Zelt und schneidert sich daraus selbst seine Expeditionskleidung. «Im Grunde war das das erste Montane-Produkt», schmunzelt Matt.

Auf und ab wie in den Bergen

Chris und der vier Jahre ältere Jake sind unterschiedliche Typen: Chris ein Ingenieur in der Baubranche, der ständig an Dingen tüftelt. Jake, der nach einer rebellischen Jugend in Cambridge Business studiert hat und für ein Whisky-Unternehmen arbeitet. Die beiden ergänzen sich gut – und sie teilen die Leidenschaft für das Draussensein.

Drei Männer an einem Tisch, sie schauen sich einen Rucksack genau an.

Gewicht, Material und Schnitt stehen beim Produktdesign im Fokus.

Foto © Archiv Montane

Immer wieder unternehmen sie gemeinsame Trips und immer wieder sind sie unzufrieden mit der Ausrüstungssituation. Bis sich schliesslich die Idee festigt, selbst eine Marke zu gründen. 1993 startet Chris Montane noch allein – und geht nach drei Jahren bankrott. Jake gibt seinen lukrativen Job auf, kratzt sein Geld zusammen, sammelt weiteres im Freundeskreis ein – sie besitzen bis heute Anteile – und macht sich auf in sein bis dato grösstes Abenteuer.

Die 90er sind ein Auf und Ab: Mit der Jacke «Extreme Smock» landet Montane einen riesigen Hit in Japan. Der Heimatmarkt hingegen lässt sich Zeit. Produziert wird in einer Garage im Industrieviertel von Pegswood, nördlich von Newcastle. Eine Garage, in der die Näherinnen neben den Chefs sitzen. Der Raum ist eng, der Erfolg zögerlich.

«Wir waren niemals eine laute Marke», erklärt Matt. «Das ist bis heute so. Einer unserer Leitsätze lautet ‹Presence, not Noise›. Wir sind keine Marktschreier, wir wollen mit unseren Produkten überzeugen.» Aber ohne grosse Kampagnen müssen sich die besondere Funktionalität und die aussergewöhnliche Leichtigkeit der Produkte erst einmal herumsprechen. «Damals ging es über Mundpropaganda in der Outdoor-Szene nicht so schnell wie heute in Social-Media-Zeiten.» Auf der anderen Seite: Das Understatement mag es schwerer machen, schafft aber eine treue Anhängerschaft.

Im Jahr 2000 verabschiedet sich Chris und erfüllt sich seinen grossen Traum: Er segelt mit seiner Familie nach Neuseeland, wo er noch heute als Segellehrer lebt.

Produkte von Montane

Für Jake jedoch ist Montane weiterhin der grosse Traum – und langsam nimmt dieser Fahrt auf. Der «Featherlite Smock» sorgt für Aufmerksamkeit: superleicht und superklein packbar – so klein, sagt Montane, dass die Jacke in den Mund passt. Ein Vergleich, der zum Ausprobieren verleitet. Eine neue Art der Mundpropaganda sozusagen … Noch heute, über zwanzig Jahre später, ist der Smock ein Bestseller. Inzwischen besteht er aus 100 Prozent recyceltem Material von Pertex. Mit der britischen Vorreitermarke in Sachen leichtgewichtige Stoffe verbindet Montane eine lange Partnerschaft.

Und so wird Montane aus dem Nordosten Englands langsam und leise zum Inbegriff hochwertiger, leichter Outdoor-Bekleidung. «Further. Faster.» lautet ihr Claim. «Dabei geht es aber nicht darum, der oder die Schnellste zu sein. Sondern darum, herauszufinden, was alles möglich ist. Mit weniger kommst du weiter. Less is more – ich weiss, das ist ein Spruch, aber er ist eben wahr», sagt Matt.

«Die Bekleidung von Montane steht für Funktionalität und zeitloses Design zu einem fairen Preis.»
Reto
Einkäufer Bekleidung, Office Zürich

Diese Reduktion, das Minimalistische, ist in den vergangenen Jahren nicht nur in der Outdoor-Industrie immer mehr in den Mittelpunkt gerückt. Als Befreiung vom Zuviel an Konsum und an Information. Und es ist genauso ein Nachhaltigkeits-Statement. Matt erklärt: «Wir müssen generell mit weniger auskommen. Aber natürlich leben wir als Marke von dem Verkauf von Produkten. Das ist uns sehr bewusst. Wir versuchen, dem entgegenzusteuern. Mit hoher Qualität, mit Langlebigkeit, zeitlosem Design und unserem Engagement.» Über Letzteres spricht die «leise» Marke kaum. «Aber das hinterfragen wir immer mehr. Wir können mit unserem Handeln ja auch inspirieren.»

Neue Ziele

Eine weitere Frage, die sich Matt gerne stellt: Wenn Montane eine Person wäre, wo im Leben würde sie jetzt stehen? «Ich glaube, wir sind in den letzten vier, fünf Jahren erwachsen geworden. Wir wissen, wer wir sind und wo wir hinwollen.» Wohin soll es denn gehen? Matt lacht. «Auch vermehrt in die Schweiz», meint er. «Dort zieht es uns Engländer ja traditionell hin. Dort versteht man unsere Produkte und die Schweizer sind auch nicht bekannt für ihre laute Art …»

Montane ist in den letzten Jahren gut gewachsen. 2021 hat Jake «sein Baby» an Inverleith LLP, ein schottisches Investmentunternehmen, verkauft. Er ist noch immer Minderheitsaktionär und Verwaltungsratsmitglied. CEO ist inzwischen Gary Bryant, der über viele Jahre Produktchef bei Arc’teryx war. «Gary ist besessen von Materialien und lebt unseren fokussierten Ansatz», meint Matt. «Wir bleiben unserer Linie treu: ein reduziertes Design, ein zeitloser Look, ein bescheidenes Auftreten.»

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