Outdoor-Klettern: Das musst du vor dem Klettern draussen wissen

Zwei Personen beim Outdoor-Klettern von oben fotografiert.
Portraitfoto von Jan.
Jan
Verkaufsberater, Filiale Markthalle Bern
© Fotos

Fürs erste Klettern draussen – was musst du alles beachten? Transianer Jan gibt dir Tipps, was du zuvor am besten in der Halle lernst, welche Klettergebiete sich eignen und worauf du beim Outdoor-Klettern sonst noch achten solltest.

Das Offensichtlichste zuerst: In der Halle sind Wand, Sicherungspunkte und Umfeld kontrolliert. Draussen musst du zusätzlich die Felsqualität, die Absicherung, das Wetter und die Umgebung beurteilen. Deshalb sind eine vor- und umsichtige Planung sowie das nötige Wissen besonders wichtig. Transianer Jan geht im Folgenden auf das Wichtigste beim Klettern draussen ein.

Technik

Technik

Beim Klettern draussen sind die Tritte im Unterschied zur Kletterhalle nicht farblich markiert. Daran muss man sich gewöhnen, weshalb du am Fels zu Beginn einen tieferen Schwierigkeitsgrad wählen solltest als in der Halle – als Faustregel etwa ein bis zwei Grade. So oder so lohnt es sich, indoor das Wichtigste zu üben, bevor es nach draussen geht. Viele Kletterhallen bieten dafür auch Kurse an.

Das solltest du vor dem Klettern draussen üben:

  • Sicheres und routiniertes Klettern in Toprope und Vorstieg

  • Sturztraining: Das ist draussen besonders wichtig, weil es sich aufgrund der häufig unebenen Wandstruktur von der Halle unterscheidet. Übrigens auch für die sichernde Person, die häufig nicht so bequem und sicher steht wie in der Halle. Es gibt draussen Routen und Stellen, bei denen ein Sturz möglichst vermieden werden sollte – etwa wegen eines Vorsprungs oder ungünstigen Geländes.

  • Exen bedienen

  • Routiniertes Sichern und Ablassen

Zusätzlich unbedingt wichtig: Wie baut ihr die Route wieder ab? Wie fädelt ihr und lässt euch ab – und seid dabei durchgehend gesichert? Lernt den Abbau am besten in einem Kurs oder mit einer erfahrenen Person und übt die Abläufe, bevor ihr sie selbstständig anwendet.

Planung

Planung

Wähle ein Klettergebiet, das deinem Können entspricht. Für den Start ins Outdoor-Klettern ist das ein Klettergarten mit kurzen Routen und leichten Schwierigkeitsgraden. In Kletterführern oder online findest du Informationen zu den Gebieten wie Routenlänge und entsprechend nötige Seillänge und Anzahl Expressen, Felsart sowie Art und Qualität der Absicherung. Zudem zeigen die Kletterführer die Route grafisch dargestellt, als sogenanntes Topo. Informiere dich auch über den Zustieg. Dieser sollte möglichst kurz und einfach sein, damit dir genügend Energie fürs Klettern bleibt.

Das Wetter gehört ebenfalls zur Planung. Draussen bist du der Witterung ausgesetzt und besonders in den Bergen kann das Wetter schnell wechseln. Bei Gewitter musst du die Kletterwand und exponierte Felsbereiche sofort verlassen und einen sicheren Ort aufsuchen. Berücksichtige dies unbedingt und gehe kein Risiko ein – schon leichter Regen macht die Felsen rutschig und das Klettern entsprechend schwieriger. Umgekehrt kann es an einer Felswand – auch für die sichernde Person – extrem heiss werden, wenn die Sonne direkt draufscheint.

Beachte zudem Sperrzeiten und Kletterverbote. Diese gelten insbesondere während den Brutzeiten von Vögeln. Nutze für den Zustieg bestehende Wege und beschädige möglichst keine Pflanzen.

Ausrüstung

Ausrüstung

Du brauchst ein gutes Kletterseil. Achte darauf, dass das Seil lang genug für die Route und das Seilende verknotet ist, damit es beim Ablassen nicht durch das Sicherungsgerät rutschen kann.

Anders als in der Halle benötigst du zudem Express-Sets und gegebenenfalls weitere Ausrüstung. Nimm entsprechend dem Topo genügend Expressen mit und packe im Zweifel ein bis zwei zusätzlich als Reserve ein. Je nach Klettergarten und Route ist zudem Abseil- und/oder Umlenkausrüstung erforderlich. Ebenso können mobile Sicherungsmittel (Friends) nötig sein. Fürs erste Klettern draussen wählst du aber besser eine Route, bei der dies nicht erforderlich ist.

Fürs Outdoor-Klettern braucht ihr einen Helm – und zwar beide. Denn auch die sichernde Person kann von einem Stein getroffen werden. Snacks und Wasser gehören ebenfalls ins Gepäck, genauso ein Erste-Hilfe-Set.

Wie in der Halle benötigst du natürlich ein Sicherungsgerät, Kletterschuhe sowie Klettergurt und Chalkbag.

Partner:in

Partner:in

Verabrede dich für dein erstes Klettern draussen mit einer dir vertrauten Person. Am besten wart ihr bereits einige Male zusammen in der Kletterhalle und seid ein eingespieltes Team. Noch besser ist, wenn euch eine erfahrene Person begleitet. Es gibt auch Kurse, in denen man das Klettern draussen lernen kann.

Wie in der Halle geht es los mit dem Partnercheck. Dabei kontrolliert ihr unter anderem, ob das Sicherungsgerät richtig eingelegt ist. Prüft draussen zusätzlich: Ist das Material richtig aufgeteilt? Zum Beispiel: Hat die Person, die klettert, genug Express-Sets am Gurt?

Besprecht unbedingt die Kommandos – welche verwendet ihr? Das ist draussen noch wichtiger als in der Halle, weil nicht immer Sichtkontakt besteht und der Wind das Verstehen stark erschweren kann.

Sicherheit

Sicherheit

Fürs Outdoor-Klettern ist gewissenhafte Planung, die richtige Ausrüstung und das nötige Know-how wichtig. Draussen musst du mehr Faktoren selbst beurteilen als in der Halle. Folgendes erhöht die Sicherheit zusätzlich.

  • Achte darauf, andere Seilschaften nicht zu gefährden oder zu behindern. Klettere insbesondere nicht unterhalb anderer Seilschaften.

  • Lockere Steine nicht lostreten und andere warnen, sollten trotzdem Steine herunterfallen.

  • Wählt den Sicherungsplatz so, dass die sichernde Person einen stabilen Stand hat und möglichst vor Steinschlag geschützt ist. Achtet zudem auf Stolperstellen, Kanten und den Seilverlauf.

  • Rückzug vorher besprechen: Was tun, wenn die Route doch zu schwierig ist?

  • Material vor und nach jedem Ausflug in den Klettergarten überprüfen und grobe Verschmutzungen entfernen. Das sorgt dafür, dass es intakt bleibt, und erhöht damit die Sicherheit.

  • Schwierigkeitsgrad ist nicht gleich Sicherheitsgrad: Eine einfach eingestufte Route ist nicht automatisch eine sichere Route. Denn nebst der Schwierigkeit spielen auch die Abstände zwischen den Sicherungspunkten, die Felsqualität und die Sturzbahn eine wichtige Rolle. Berücksichtige dies unbedingt auch bei der Planung.

Abschluss

Abschluss

Beim Draussen-Klettern ist umweltbewusstes Verhalten sehr wichtig. Nutze als Zustieg zum Klettergebiet bestehende Wege. Vermeide während des Kletterns laute Geräusche, um Tiere und auch andere Kletternde nicht zu stören. Wenn du eine Toilette brauchst, erledige das möglichst diskret. Und bevor du die Stelle verlässt: Pack allen Abfall ein und hinterlasse keine Spuren.

  • #Alpinklettern

  • #Sportklettern

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