John Thornton
Was zieht man in einen Klettergarten an? Welches Seil eignet sich und was kostet ein Besuch im Klettergarten überhaupt? Transianerin und Kletterlehrerin Anna-Lea kennt die Antworten auf die häufigsten Fragen zu Klettergärten.
Du möchtest draussen am Fels klettern? Dann auf zum nächsten Klettergarten! Was du dafür brauchst, ob sich die Klettergebiete für Anfänger:innen eignen und Antworten auf viele weitere Fragen kennt Transianerin und Kletterlehrerin Anna-Lea.
Ein Klettergarten ist ein Felsabschnitt, der speziell fürs Klettern eingerichtet ist. Dazu gibt es Kletterführer, in denen diese verschiedenen Gebiete und deren Kletterrouten beschrieben und mit einem Schwierigkeitsgrad bewertet sind. In manchen Klettergärten sind die Routen auch mit einer kleinen Tafel im Fels oder anderweitig gekennzeichnet.
In den meisten Klettergärten sind Bohrhaken am Fels angebracht, an denen du deine Expresse als Zwischensicherung einhängen kannst. Seltener gibt es auch sogenannte Clean-Klettergärten, in denen du die Routen mit mobilen Sicherungen (Keile und Cams) komplett selbst absichern musst. Dies erfordert jedoch zusätzliches Können.
Es gibt Klettergärten, die sich eher für Fels-Einsteiger:innen eignen und solche, die mit schwierigeren Routen auch erfahrenere Kletter:innen fordern. Und dann gibt es auch Klettergebiete, in denen für alle etwas dabei ist.
Was kostet der Eintritt in einen Klettergarten in der Schweiz?Ein Klettergarten draussen in der Natur ist grundsätzlich kostenlos, die Felswände sind meist frei zugänglich. Das Einrichten und Erhalten der Klettergärten bedeutet für Erschliesser:innen jedoch einen grossen zeitlichen und finanziellen Aufwand, oft als Freiwilligenarbeit. Dies kannst du unterstützen, zum Beispiel mit dem Kauf eines Kletterführers oder über den Verein rebolting.ch. Manchmal findest du vor Ort auch einen QR-Code, mit dem du per Twint eine freiwillige Spende für neues Material hinterlassen kannst. Deine Hauptkosten fallen jedoch für deine eigene Kletterausrüstung, die Anreise und allfällige Kletterkurse vorab an.
Für einen Klettergarten benötigst du folgende Ausrüstung:
2–3 Karabiner mit Verschlusssicherung
eine Standschlinge für das Umbauen am Stand
ein dir vertrautes Sicherungsgerät
pro Seilschaft ca. 12–16 Expresse
pro Seilschaft ein genügend langes Seil, am besten in einem Seilsack
Die Anzahl der Expresse und die Länge des Seils unterscheiden sich je nach Klettergebiet. Informiere dich vorab unbedingt, welches Material du brauchst – Angaben dazu findest du in Kletterführern oder teilweise auch online. Gehe dabei keine Kompromisse ein, bei einem Sturz hängt dein Leben im wahrsten Sinne des Wortes von deiner Ausrüstung ab.
Abgesehen vom Klettermaterial gehört auch ein Erste-Hilfe-Set mit einer Rettungsdecke zur Grundausrüstung, ebenso ein Smartphone – auch wenn es in den Bergen nicht überall Empfang gibt. Zudem macht klettern hungrig und durstig. Mit genügend Wasser und einigen Snacks macht der Klettertag noch mehr Spass. Und für Kaffeeliebhaber:innen: Eine Moka auf einem kleinen Gaskocher bringt viele neue Kletterfreunde.
Ob Klettergurt, Helm, Steigeisen oder andere Kletterausrüstung: Du musst nicht alles neu kaufen. Miete die fehlende Ausrüstung für dein nächstes Abenteuer einfach bei uns.
Für das Sportklettern eignet sich ein Einfachseil. Seile für diesen Einsatzbereich des Kletterns sind immer dynamisch, damit Verletzungen bei einem Sturz möglichst minimiert werden.
Mit einem 70 Meter langen Seil kannst du in der Schweiz viele Routen klettern. Es ist aber wichtig, dass du weisst, ob dein Seil für die vorgesehene Route genügend lang fürs Hochklettern und sichere Ablassen ist. Beim Durchmesser sind 9,2 bis 9,8 Millimeter üblich. Achte dabei unbedingt darauf, dass die Seildicke zu deinem Sicherungsgerät passt. Eine Imprägnierung des Seils ist vor allem notwendig, wenn du dieses auch im Eis verwendest. Die Imprägnierung kann das Seil aber auch bedingt vor feinem, sandigem Schmutz schützen.
Was zieht man in einen Klettergarten an?Zu empfehlen ist bequeme Kleidung, die deine Beweglichkeit nicht einschränkt. Im Gegensatz zur Halle kommt draussen das Wetter hinzu: An einem Tag am Fels können sich die Temperaturen mit Wind, Sonne und Wolken schnell ändern. Deshalb eignen sich verschiedene Kleidungsschichten am besten, mit denen du dich schnell an veränderte Bedingungen anpassen kannst. Die optimalen Temperaturen zum Klettern am Fels sind eher niedrig. Damit du nach einer Route oder beim Sichern nicht auskühlst, gehört eine wärmende Jacke, beispielsweise eine Daunenjacke, immer mit ins Gepäck.
Passendes Schuhwerk für den Zustieg ist ebenfalls sehr empfehlenswert.
Gibt es Altersbeschränkungen für den Besuch eines Klettergartens?Eine Altersbeschränkung gibt es in Klettergärten nicht. Viele Klettergärten sind familienfreundlich und eignen sich auch für jüngere Kinder, je nach Absicherung und Zustieg. Oft sind solche Gebiete im Kletterführer entsprechend gekennzeichnet. Dort können auch jüngere Kinder einen spannenden Tag am Fels erleben. Wichtig ist, dass Begleitpersonen die Umgebung sorgfältig einschätzen, mögliche Gefahren wie Steinschlag oder Absturzgelände erkennen und ihre Kinder entsprechend begleiten. Mit der passenden Gebietswahl, guter Vorbereitung und gegenseitiger Unterstützung, beispielsweise zusammen mit anderen kletterbegeisterten Familien, eignet sich ein Kletterausflug für die ganze Familie.
Fürs Familienklettern gibt es auch zahlreiche organisierte Angebote vom SAC oder anderen Kletterschulen.
Klettern im Klettergarten lässt sich mit dem richtigen Wissen, Können und einer guten Vorbereitung sehr sicher gestalten. Gleichzeitig bewegen wir uns in der Natur, wo es immer auch reale Gefahren wie Steinschlag, Absturzgelände oder wechselnde Witterungsbedingungen gibt. Diese Risiken lassen sich nicht vollständig ausschliessen. Aber wir können lernen, sie richtig einzuschätzen und unser Verhalten entsprechend anzupassen.
Dazu gehören eine passende, fürs Klettern zertifizierte Ausrüstung und das nötige Wissen rund ums Sichern, Vorsteigen und Umbauen am Stand. Ebenso wichtig ist, den Zustieg und die Umgebung einzuschätzen, die eigenen Fähigkeiten realistisch zu beurteilen und Klettergebiet und Route passend auszuwählen.
Wer zum ersten Mal draussen klettert, kann beispielsweise mit gut abgesicherten Toprope-Routen starten. So kann man sich an den Fels gewöhnen und sich ganz aufs Klettern konzentrieren. Auch der Kletterbuddy spielt eine wichtige Rolle: Sind beide noch wenig erfahren, lohnt es sich, im Rahmen eines Kurses oder Coachings zu starten oder gemeinsam mit erfahrenen Kletternden unterwegs zu sein.
Kann ich als Anfänger:in den Klettergarten besuchen?Ja, irgendwann muss man ja anfangen. Damit der Start ins Felsklettern zu einer positiven Erfahrung wird, ist es lohnenswert, sich von Kletterlehrer:innen, Bergführer:innen oder sonst erfahrenen Personen unterstützen zu lassen.
Gibt es Regeln im Klettergarten?Ja – wie bei anderen Outdoor-Sportarten gilt auch im Klettergarten: Wir sind zu Gast in der Natur und verhalten uns entsprechend. Mit Rücksicht auf die Umgebung lässt sich dazu beitragen, dass Klettergebiete langfristig erhalten bleiben. Dazu gehört, die Tier- und Pflanzenwelt zu respektieren und saisonale Kletterverbote, beispielsweise zum Schutz brütender Vögel, unbedingt einzuhalten. Auch Fahrverbote, Parkplätze und Zustiegswege sollten so genutzt werden, wie sie im Kletterführer angegeben sind.
Wenn du zur Toilette musst, halte dich an die Regeln und berücksichtige ebenso allgemeine Verhaltensregeln fürs Klettern und Bouldern.
(Mit der TransaCard immer kostenlos)