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Schneeblindheit – wie äussert sich das und was kann man dagegen tun?

Drei Personen bei einer Hochtour, sie gehen in einer Seilschaft.
Tamara
​​Marketing, Office Zürich​
© Fotos

Schneeblind werden kann man im Winter wie im Sommer, bei Nebel wie bei Sonnenschein, im Schnee wie auf dem Wasser. Was schützt vor Schneeblindheit und was können Betroffene tun? Hier findest du Antworten auf die häufigsten Fragen zu Schneeblindheit.

Bei Hochtouren über Gletscher, auf Schneeschuhwanderungen, Winterspaziergängen oder Skitouren, aber auch beim Segeln oder Kanufahren: Die sogenannte Schneeblindheit ist ganzjährig aktuell. Meistens erholen sich die Augen von selbst wieder. Um Spätfolgen zu meiden, lohnt sich dennoch der richtige Sonnenschutz. Aber wie schütze ich meine Augen zuverlässig vor der Sonne? Worauf muss ich beim Kauf einer Brille achten, und was sollte ich tun, wenn Symptome von Schneeblindheit auftreten?

Was ist Schneeblindheit und wie entsteht sie?

Was ist Schneeblindheit und wie entsteht sie?

Bei Schneeblindheit, fachsprachlich Photokeratitis genannt, sind die Binde- und die Hornhaut im Auge entzündet. Auslöser dafür sind UV-Strahlen der Sonne, die entweder direkt oder indirekt ins Auge gelangen. Schneeblindheit ist also wie ein Sonnenbrand an den Augen.

Die UV-Strahlen gelangen selten direkt ins Auge. Dafür müsste man in die Sonne starren, und das wird schnell unangenehm. Schneeblindheit entsteht vor allem durch die Reflexion der Strahlen: Von hellen Oberflächen wie Eis, Schnee oder auch hellem Sand, Stein und Wasser treffen die Sonnenstrahlen kaum abgeschwächt in die Augen.

Wichtig zu wissen: Wolken, Nebel oder Schneefall filtern die UV-Strahlen der Sonne nicht aus der Luft. Du kannst also auch an einem bewölkten, düsteren Tag schneeblind werden.

Zwei Personen in einem Kanu auf dem See.

Auch die Blendung auf dem Wasser kann den Augen schaden.

Foto © Ruedi Thomi
Welche Symptome löst Schneeblindheit aus?

Welche Symptome löst Schneeblindheit aus?

Schneeblindheit zeigt sich durch viele verschiedene Symptome. Diese verändern sich je nach Stärke der Betroffenheit.

  • Zuerst merkt man meistens, dass die Umgebung immer stärker blendet, man also lichtempfindlicher wird. Häufig reagiert der Körper darauf automatisch mit dem Zukneifen der Augen, möglicherweise beginnen die Augen zu tränen und/oder zu brennen.

  • Nach einigen Stunden (etwa 6 bis 12 Stunden) kommen weitere Symptome dazu, wie schwerfälliges Sehen, gerötete Augen, Gefühl von Fremdkörper im Auge, geschwollene Lider und Äderchen.

Es ist gut möglich, dass du dich während der Skitour oder dem Kanufahren nur stark geblendet fühlst und keine weiteren Symptome wahrnimmst. Abends beginnen die Augen dann zu tränen, zu brennen und es fühlt sich an, als hättest du Sand in den Augen. Dieses Fremdkörpergefühl kommt daher, dass die äusserste Schicht der Hornhaut so stark verletzt ist, dass sie sich ablöst. Dadurch liegen Nervenenden frei und die Augen sind äusserst empfindlich.

Wie kann man Schneeblindheit vorbeugen?

Wie kann man Schneeblindheit vorbeugen?

Eine gute Sonnenbrille ist der beste Schutz gegen Schneeblindheit. Sie blockt die UV-Strahlen ab. Vor allem im verschneiten Gebirge, beim Skifahren oder auf Gletschertouren, reicht eine herkömmliche Sonnenbrille nicht aus. Die Strahlen erreichen dich von fast überall um dich herum – reflektiert von verschneiten Hängen sowie Eis und Schnee am Boden und direkt von der Sonne. Deshalb ist es wichtig, dass die Brille möglichst das gesamte Blickfeld abdeckt. Trage also eine Skibrille oder eine Gletscherbrille.

Wichtig ist eine gute Qualität der Brille. Abgedunkelte Gläser sorgen zwar generell dafür, dass es weniger blendet, aber ob der UV-Filter stark genug oder überhaupt vorhanden ist, sieht man allein an der Tönung nicht. Alle Brillen, die in der Schweiz verkauft werden, müssen ein CE-Zeichen tragen. Dieses garantiert, dass die Gläser einen UV-Schutz aufweisen. Sonnenbrillen werden zudem in verschiedene Kategorien aufgeteilt. Mehr Infos dazu findest du hier.

Welche Kategorien von Sonnenbrillen gibt es?

Welche Kategorien von Sonnenbrillen gibt es?

Gläser von Sonnenbrillen werden gemäss internationaler Norm ISO 12312-1:2022 in fünf Kategorien eingeteilt. Achte beim Kauf einer Sonnenbrille auf das CE-Zeichen und einen Verweis auf die ISO-Norm auf dem Etikett. Es gibt folgende fünf Kategorien:

  • Kategorie 0: ungeeignet als Sonnenbrille, lässt über 80% des Lichts durch

  • Kategorie 1: ungeeignet als Sonnenbrille, schützt zwar ein wenig vor UV-Strahlen und Blenden, lässt aber bis zu 80% des Lichts durch

  • Kategorie 2: geeignet als Sonnenbrille für den Alltag, schützt gut vor Blenden und UV-Strahlen, Lichtdurchlässigkeit bis zu 43%

  • Kategorie 3: eignet sich für den täglichen Gebrauch und für Orte mit viel Sonne (zum Beispiel Berge, Strand), schützt sehr gut vor Blenden, Lichtdurchlässigkeit bis 18%

  • Kategorie 4: Spezialbrille für extreme Verhältnisse, beispielsweise auf dem Wasser (Kanu, Stand-up-Paddle, Segeln), in der Wüste, im Hochgebirge oder im Schnee. Sehr hoher Blendschutz, auch seitlich. Wichtig: Diese Gläser sind für den Strassenverkehr nicht zugelassen, weil sie zu dunkel sind, um Verkehrsampeln gut zu erkennen. Zudem schränkt der seitliche Blendschutz das Sichtfeld ein. Auch das ist auf der Strasse gefährlich.

Unabhängig der Kategorie wird die UV-Schutzwirkung nur während zwei Jahren garantiert. Kratzer, aber auch die Zeit mindern den Schutz.

Was tun bei Schneeblindheit?

Was tun bei Schneeblindheit?

Abschirmen: Deine Augen brauchen eine Pause. Bleib in einem dunklen Raum und schütze deine Augen vor weiteren Sonnenstrahlen. Trage also auch drinnen eine Sonnenbrille. Ja, vielleicht wird es nach einigen Stunden langweilig. Aber eine Pause für die Augen bedeutet auch: Smartphone weglegen, kein Fernsehen und auch nicht lesen, weder auf Papier noch auf einem E-Reader.

Kühlen: Nimm Kompressen, Wattepads oder kleine Stoffstücke, mach sie nass und lege sie auf die geschlossenen Augen. Das kühlt und beruhigt. Du kannst die Wickel auch kurz in den Kühlschrank legen, sie sollten aber nicht zu kalt sein. Das würde die Augen zusätzlich reizen.

Befeuchten: Augentropfen sorgen dafür, dass die Augen feucht bleiben, und haben ebenfalls einen kurzen kühlenden Effekt. Auch Augensalben können helfen, sie wirken meist etwas länger.

Ruhen: Nicht in den Augen reiben, das kann die Symptome verschlimmern.

In den meisten Fällen heilen die Beschwerden innerhalb von 24 bis 48 Stunden vollständig ab, wenn die Augen geschont werden. Falls die Symptome länger bestehen bleiben, unbedingt eine medizinische Fachperson aufsuchen – wenn möglich eine Augenärztin oder einen Augenarzt . Unbehandelt kann eine starke Schneeblindheit das Sehvermögen langfristig beeinträchtigen.

Drei Personen beim Wandern, zwei tragen eine Sonnenbrille, jemand einen Sonnenhut.

Auch an einem bewölkten Tag solltest du die Augen schützen – Wolken filtern die UV-Strahlen nicht aus der Luft.

Foto © Noah Leimgruber
Was sind Risikofaktoren für Schneeblindheit?

Was sind Risikofaktoren für Schneeblindheit?

Das grösste Risiko für Schneeblindheit ist das Nichttragen einer Sonnenbrille. Es gibt aber zusätzliche Risikofaktoren, die du berücksichtigen solltest:

  • Die UV-Strahlung ist in den Bergen höher als in tieferen Lagen. Pro tausend Höhenmetern nimmt die Belastung um etwa 10% zu.

  • Frischer Schnee reflektiert das Licht am stärksten. Er ist noch nicht von Staub, Sand oder Blättern bedeckt und deshalb besonders weiss.

  • Kontaktlinsen trocknen die Augen aus. Bereits trockene Augen sind anfälliger für Schneeblindheit, und das Risiko für einen unangenehmeren und längeren Verlauf ist erhöht.

  • Manche Medikamente können lichtempfindlich machen, beispielsweise Antibiotika. Plane dein Abenteuer wenn möglich für eine Zeit, in der du keine Medikamente nehmen musst oder lass die Gefahr im Vorfeld ärztlich abklären.

Tipps gegen Schneeblindheit

Tipps gegen Schneeblindheit

Achte auf deine Gspänli: Kneift jemand stark die Augen zusammen? Oder hat jemand gar seine Sonnenbrille vergessen? Gibt es Ersatzbrillen? Ansonsten je nach Bedingungen gar nicht starten, eine Sonnenbrille organisieren oder den Rückweg antreten.

Ersatz-Sonnenbrille einpacken: Sei vorbereitet für den Fall, dass deine eigentliche Sonnenbrille kaputt oder verloren geht oder jemand anders einen Ersatz brauchen kann. Vor allem bei mehrtägigen Aktivitäten wie Trekkings, ausgedehnten Schneeschuh-, Ski- oder Gletschertouren ist das sinnvoll.

Nicht direkt in die Sonne schauen: Das gilt auch, wenn du eine gute Brille hast und es dich deshalb nicht blendet.

Mittagspause im Schatten oder unter verstärkten Schutzmassnahmen planen: Weil mittags die UV-Belastung am stärksten ist, trage beispielsweise zusätzlich einen Hut mit breiter Krempe.

Lichteinfall von rundherum berücksichtigen: UV-Strahlen treffen häufig auch seitlich auf die Augen. Breite Brillenbügel oder ein Blendschutz schirmen diese ab. Vor der direkten Strahlung von oben schützt ein Hut.

Halte deine Sonnenbrille griffbereit: Wenn sie erst mal im Rucksack verstaut ist, holt man sie so schnell nicht hervor.

Polarisierte Sonnenbrillen: Diese Gläser sind nebst dem UV-Filter speziell beschichtet, was die Blendung zusätzlich mindert. Polarisierte Sonnenbrillen sorgen entsprechend für eine bessere Sicht, können Schneeblindheit aber nicht generell verhindern.

Kinder haben empfindlichere Augen als Erwachsene, reagieren aber weniger stark auf Blenden: Das macht sie besonders anfällig für Schneeblindheit. Deshalb unbedingt auch bei Kindern auf einen guten Sonnenschutz achten.

Die Rettungsschule SanArena hat die medizinische Korrektheit des Inhalts geprüft. SanArena bietet unter anderem verschiedene Kurse für Nothilfe und Ersthelfer:innen an.

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